Germendorf ist ein Ortsteil der Stadt Oranienburg
... im brandenburgischen Landkreis Oberhavel. Im Jahr 2008 zählte man 1818 Einwohner. Germendorf befindet sich westlich der Kernstadt Oranienburg und erstreckt sich von der Muhre bis zum
Ländchen Glien (Germendorfer Sander) über eine Fläche von 1528 Hektar, wovon lediglich 207 bewohnt sind. Der Ortsteil liegt am Übergang von der Havelniederung, die besiedelt bzw. von
landwirtschaftlichen Nutzflächen geprägt ist, zur westlich anschließenden Fläche, die höher gelegen und bewaldet ist. Im Westen von Germendorf gibt es eine Kiesgrube, die seit 1928 auf
dem damaligen Grundstück des Malers Erich Buchholz betrieben wird. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes ist datiert auf das Jahr 1375 im Landbuch von Karl IV. unter dem Namen
Gerwendorff. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten änderte sich der Name immer wieder und das Dorf wurde so unter anderem als Germendorff, Gerbendorff (1450), Gerwendorpp (1480)
und Gerbendorff erwähnt. Aufgrund verheerender Feuer wurde der Ort im Laufe der Zeit mehrere Male zerstört. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) wurde ein Großteil des Dorfes
zerstört. Die Kirche aus Klinkern im Dorfzentrum, die heute unter Denkmalschutz steht, wurde 1739 erbaut, nachdem die alte Kirche Opfer eines Feuers wurde. Im Jahr 1861 musste der
Kirchturm erneuert werden, da der alte Kirchturm aufgrund eines erneuten Feuers zerstörte wurde. Germendorf war über hunderte Jahre bis in das 20. Jahrhundert hinein ein Angerdorf. 1915
wurde der Bahnhof Germendorf im Zuge der Errichtung der Bahnstrecke Nauen–Oranienburg eröffnet. Dadurch rückte Germendorf auch ein Stück näher an Berlin heran und es ermöglichte einen
ersten Einwohnerzuwachs. Weiter veränderte es das Bild des Dorfes: neue Wohnviertel für Arbeiter entstanden. In den Jahren 1936/1937 bauten die Betreiber der Ernst Heinkel Flugzeugwerke
südlich des Dorfes das Werk I der Heinkel-Werke Oranienburg. In der Zeit des Nationalsozialismus verrichteten zwischen 6240 und 8000 Häftlinge in einem Außenlager des KZ Sachsenhausen
dort ihre Zwangsarbeit. In Andacht an die über 1500 getöteten Gefangenen wurde im Jahr 1974 ein Gedenkstein an der Straße in Richtung Velten errichtet. Im April 1945, während des Zweiten
Weltkriegs, war Germendorf Teil einer großen russischen Offensive. Am 22. April standen russische Spitzen nördlich von Spandau in Hennigsdorf, Hohen Neuendorf und Birkenwerder.
Oranienburg wurde von Süden her eingekreist und die Rotarmisten versuchten, weiter in die Stadt vorzudringen. Im Zuge der Zangenbewegung, die die Rote Armee in Richtung Berlin vornahm,
versuchte man auf breiter Front westlich vorzurücken und stand am Ruppiner Kanal, nicht weit entfernt von Germendorf. Am 23. April wurde südlich des Kanals weiterhin ein deutscher
Brückenkopf gehalten, der „Brückenkopf Oranienburg“. In der Nacht wurden russische Truppen in Schwante und im Kremmener Forst konzentriert. Bis zum 24. April wurden weitere deutsche
Truppen, hauptsächlich junge, kampfunerfahrene Soldaten, im Norden von Oranienburg konzentriert. Am 25. April stieß der „Brückenkopf Oranienburg“ vor, um den Zangenangriff der Russen in
Richtung Berlin zu unterbinden. Nach zahlreichen heftigen Kämpfen wurde er allerdings an der Bahnlinie nördlich von Germendorf gestoppt. Die Kämpfe dauerten bis zum nächsten Tag. Die
russischen Gegenattacken wurden stärker und in den nächsten Tagen wurden Oranienburg, Germendorf, Friedrichsthal und Velten von der Roten Armee eingenommen. Nach dem Mauerfall und der
anschließenden Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik Deutschland verzeichnete Germendorf im Zuge der Suburbanisierung einen Einwohnerzuwachs. Es zog vor allem Menschen aus
Oranienburg und Berlin nach Germendorf, da hier die Grundstückspreise und Mieten günstig waren und die relative Nähe zu Berlin vorhanden ist. Seit dem 26. Oktober 2003 ist Germendorf ein
Stadtteil von Oranienburg und trägt auch dessen Postleitzahl. Dies fand im Zuge einer kommunalen Umstrukturierung statt. Anfang der 2000er Jahre siedelten sich weitere Firmen und
Unternehmen in Germendorf an und schufen so hunderte neuer Arbeitsplätze. 2006 waren 197 Firmen in Germendorf registriert. Germendorf ist vor allem durch den Wildtierpark Germendorf
bekannt, der 600 Tiere aus 40 verschiedenen Arten beheimatet. Neben einigen regional beheimateten Tieren gibt es auch exotische Lebewesen zu bestaunen. Der Tierpark schließt außerdem den
Kiessee sowie das Strandhotel Germendorf mit ein. Gründer und Eigentümer des Tierparks ist der ehemalige Dorfvorsteher Horst Eichholz (* 1932). Anfangs vor allem als Badeort genutzt,
wurde der Tierpark im Jahre 2000 nach einer Erweiterung und einer Umstrukturierung des ursprünglichen Areals geformt. Der Tierpark befindet sich mit seinen 42 Hektar im westlichen Teil
des Dorfes in einer ehemaligen Kiesgrube. Für den Bau der Bundesautobahn 19 (Berlin–Rostock) wurde, unter anderem, im Germendorfer Gebiet Sand abgetragen und die Kiesgrube entstand mitten
im Wald. Unterhalten wird der Tierpark ausschließlich durch Eintrittsgelder, Spendengelder und Eigenkapital des Eigentümers. Es werden keinerlei kommunale Gelder in Anspruch genommen. Die
Kosten für den Park mit seinen 22 Mitarbeitern belaufen sich auf etwa 500.000 Euro jährlich. Im Jahr 2006 besuchten unter der Woche bis zu 1000 Besucher den Tierpark, an Wochenenden sogar
bis zu 2500. Durch ständige Erweiterung und Umstrukturierungen bietet der Tierpark heute verschiedenste Attraktionen, wie z. B. eine Freilichtbühne, 15 Grillplätze, einen Dinosaurierpark,
Schwimmbereiche und einen großen Spielplatz. Am 6. und 7. Juli 2001 fand ein bedeutendes Death- und Black-Metal--Festival im Tierpark Germendorf statt, das „Under the Black Sun Festival“.
An zwei Tagen spielten die Bands Mütiilation, Judas Iscariot, Deströyer 666, Horna, Murder Rape, Ork and Trimonium auf einer extra für dieses Festival gebauten Bühne im westlichen Teil
des Parks. Der Auftritt der Band Mütiilation wurde aufgenommen und unter dem Titel Desecrated Jesus Name – Live in Germendorf, Germany 7/7/01 als Bootleg in Fankreisen verbreitet. Drei
Hotels und Pensionen bieten Unterkünfte in Germendorf: das bereits erwähnte Strandhotel direkt neben dem Tierpark, das Hotel Zum fröhlichen Landmann gegenüber der Dorfkirche und die
Pension Märkische Heide am östlichen Ortsausgang Richtung Oranienburg. Germendorf liegt an der Bundesstraße 273, die den Ort mit dem Zentrum von Oranienburg im Westen und Kremmen sowie
Schwante verbindet. Gleichzeitig bindet sie den Ortsteil an die westliche Umgehungsstraße (Bundesstraße 96) um Oranienburg an. Über die vierspurige B 96 ist Germendorf und das nördliche
Oberhavel direkt an den Berliner Ring angebunden. Das Stadtzentrum von Berlin erreicht man dadurch innerhalb von 35 bis 40 Minuten Fahrzeit, die Stadtgrenze Berlins nach gut 15 Minuten.
Das Dorf liegt außerdem an der ehemaligen Bahnstrecke Nauen–Oranienburg, die seit 1967 für den öffentlichen Personenverkehr stillgelegt ist. Der Germendorfer Bahnhof wurde wie die gesamte
Strecke 1915 erbaut. Der Abzweig von der Berliner Nordbahn zur Strecke Richtung Germendorf ist in Oranienburg etwas südlich des Regional- und S-Bahnhofs zu erkennen. Die Schienen von
Oranienburg nach Germendorf wurden allerdings größtenteils im Zuge des Baus der B 96 demontiert. Auch die ehemalige Brücke am östliche Germendorfer Dorfeingang fiel dem Bauvorhaben zum
Opfer. Seit 2006 kann der Streckenabschnitt von Germendorf in Richtung Westen nach Kremmen mit Draisinen befahren werden. Eine weitere Eisenbahnstrecke berührte Germendorf im Süden. Diese
Strecke zweigte bei Oranienburg-Eden von der Strecke Oranienburg–Kremmen ab und mündete bei Velten in die Kremmener Bahn. Sie war nur von 1951 bis 1969 in Betrieb und ist inzwischen
abgebaut. An ihr lag der Haltepunkt Germendorf Süd. Die Buslinie 824, die zwischen den Bahnhöfen Oranienburg und Hennigsdorf pendelt, unterhält zwei Busstationen in Germendorf: die
Haltestelle „Germendorf Dorfstraße“ im Dorfzentrum nahe der Dorfkirche und die Haltestelle „Germendorf Am Bahndamm“ in der Nähe des Globus Baumarktes im Osten. Die Linie wird von der OVG
betrieben, die auch ihren Sitz am östlichen Ende des Dorfes unterhält.
Dieser Text basiert auf dem freien Enzyklopädie Wikipedia-Artikel über diesen Ort. Germendorf