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Waldsiedlung - PLZ 16321 (Bernau)
Die Waldsiedlung Bernau bei Berlin
... fälschlicherweise meist nach dem nahegelegenen Ort Wandlitz als Waldsiedlung Wandlitz bezeichnet, ist eine eineinhalb Quadratkilometer große Wohnsiedlung. Sie entstand ab 1958 für
die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros des ZK der SED, deren Tätigkeitsbereich in Berlin lag. Das bewachte Gelände wurde nach der Wende geöffnet, umgestaltet und in großen
Teilen neu bebaut. Es liegt auf dem Gebiet der Stadt Bernau und ist seit 2001 ein offizieller Stadtteil von Bernau. Die Siedlung wurde 1958 bis 1960 auf Beschluss des SED-Politbüros
inmitten eines Waldgebietes gebaut, das bei der einheimischen Bevölkerung als Schießstände bekannt war. Die fertige Siedlung, in die zunächst 23 Politiker mit ihren Familien einzogen,
unterstand der Hauptabteilung Personenschutz des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die Mitglieder des Politbüros konnten dort besser gesichert werden als in ihren Villen am
Majakowskiring in Berlin-Niederschönhausen. Den Wohnsitz in der Waldsiedlung zu nehmen war mit der Berufung in das Politbüro für dessen Mitglieder obligatorisch. Die Abschirmung war
von außen nicht unmittelbar erkennbar. Der äußere Ring wurde durch einen Maschendrahtzaun umsäumt, an dem Schilder mit dem Hinweis auf ein Wildforschungsgebiet hingen. Der innere
Ring, der nur teilweise vom äußeren Ring umschlossen war, war mit einer zwei Meter hohen und rund fünf Kilometer langen grün angestrichenen Beton-Sicherungsmauer umgeben und durfte
nur mit Sonderausweis betreten werden. Die vier Tore wurden von Soldaten des MfS und des Wachregiments Feliks Dzierzynski bewacht. Zusätzlich war die PS-Wache (Hauptabteilung
Personenschutz) eingesetzt. Insgesamt umfasste der Sicherungsbereich 33 Postenbereiche, einschließlich der Postenbereiche 32 (Badestelle Liepnitzsee) und 33 (Haus am See – Sommerhaus
der sowjetischen Botschaft). Zwei Posten waren in vorgelagerten Wachtürmen untergebracht. Die Bewachung wurde als „Militärisch-operativer Sicherungsdienst“, unter Diensttuenden mit
„MOS“ bezeichnet. Die Sicherungsposten hatten einen pilzförmigen Unterstand mit einem aus dem Bergbau bekannten explosionsgeschützten Telefon. Die Tore wurden zusätzlich zu den Posten
auch per Video überwacht. Die grüne Mauer war nachts etwa alle 30 Meter mit einer Leuchtstofflampe beleuchtet. Bei Nebel wurde eine zweite nach oben leuchtende dazugeschaltet. In
einigen Abschnitten waren Signalanlagen auf der Mauer befestigt. Die Posten hatten jeweils über 24 Stunden Dienst und wurden in dieser Zeit vier Mal aufgeführt. Die Waldsiedlung
bestand im inneren Ring aus 23 ein- und zweistöckigen Einfamilienhäusern mit teils 7 und teils 15 Zimmern, letztere mit 180 Quadratmetern Grundfläche, einem Klubhaus mit Arztpraxis,
Schwimmbad, Sauna, Kino und Gaststätte, einem Handfeuerwaffen-Schießstand und einem Sportplatz mit Tennisanlage. Im äußeren Ring (die beiden Ringe lagen in Wirklichkeit nebeneinander)
gab es unter anderem eine Gärtnerei, eine Poliklinik sowie Wohn- und Sozialgebäude für Angestellte und Wachpersonal. In der Siedlung wohnten die Funktionäre auf einem für
DDR-Verhältnisse sehr hohen Niveau. Über eine als Ladenkombinat bezeichnete Verkaufseinrichtung gelangten die Bewohner in den Genuss von hochwertigen DDR- und Westerzeugnissen sowie
eines außergewöhnlichen Angebots an Frischobst und -gemüse. Nahezu jeder Einkaufswunsch, ggf. auch mittels Bestellung per Katalog, konnte erfüllt werden. Als während der Wende die
Sendung Elf 99 des DDR-Fernsehens den relativen Luxus von Wandlitz zeigte, trug dies zur Empörung der Bevölkerung über das Regime bei. Ein Stab von über 60 Hausangestellten sorgte
sich um alle Aspekte des täglichen Lebens. Die Mitglieder der Partei- und Staatsführung leisteten sich in der Waldsiedlung einen Lebensstil, der weit über dem eines normalen
DDR-Bürgers lag. Dies und die Abschottung von der eigenen Bevölkerung trugen zur Entfremdung zwischen der Führung und dem Volk bei und wurden während der Wende, aber auch schon zuvor,
immer wieder scharf kritisiert. Verglichen mit der Führung anderer Staaten war der Lebensstandard in der Waldsiedlung jedoch bescheiden. 1989 mussten die Bewohner auf Beschluss der
DDR-Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow die Siedlung verlassen. 1990 wurde die Brandenburg Klinik Bernau als erstes großes Rehabilitationszentrum in den neuen Bundesländern
auf dem Gelände der Waldsiedlung errichtet. Mit dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 begann ein umfassendes Bau- und Renovierungsprogramm. Außer den Reha-Kliniken und
andere neu gebauten Einrichtungen wurden die früheren Wohngebäude vermietet. Eine Vielzahl neuer Wohnhäuser ist hinzugekommen. Ein komplett angelegtes erweitertes Wegesystem mit den
Hauptachsen Brandenburgallee (West-Ost-Richtung) und Kurallee (Nord-Süd-Richtung) erschließt den Bernauer Stadtteil. In der Bauphase war das Waldareal nur über unbefestigte Sandwege
erreichbar. Danach erhielt die Siedlung durch Verlegung der Fernverkehrsstraße 273 (heute Bundesstraße 273) aus der Wandlitzer Ortsmitte in eine Ortsumfahrung einen vierspurigen
Autobahnanschluss. Die frühere Verbindungsstraße zwischen Bernau und Wandlitz wurde teilweise in die neue Verbindung einbezogen. Ihr verbliebener südlicher Teil bildet heute die
Landesstraße L 304. Die jetzigen Bewohner der Siedlung sowie die Patienten und Gäste der Klinikeinrichtungen können eine Anfang der 2000er Jahre eingerichtete neue Busverbindung
(Linie 894) der Barnimer Busgesellschaft (BBG) nutzen. Sie ermöglicht Anschlüsse an die S-Bahn in Bernau oder an die Heidekrautbahn in Wandlitz.
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