Als Südende wird eine ehemalige Villenkolonie im heutigen Berliner Ortsteil Steglitz
... des Bezirks Steglitz-Zehlendorf
bezeichnet. Die Ausdehnung Südendes beträgt ziemlich genau 1400 Meter in Nord-Süd-Richtung, bzw. einen Kilometer in West-Ost-Richtung. Der niedrigste Punkt liegt 47,9 Meter, der
höchste 64,9 Meter über NN. Die historischen Grenzen Südendes bilden im Norden das heutige Sommerbad am Insulaner, im Westen eine beinahe gerade Linie, die zunächst zwischen
Oehlertring und Munsterdamm verlaufend, zwischen den Grundstücken Hanstedter Weg 4 und 6, sowie Steglitzer Damm 69 und 71 hindurch, die Borstellstraße, Benzmannstraße und
Stephanstraße überquerend, bis zu den Grundstücken Brandenburgische Straße 12, verläuft. Von hier aus bildet die jeweilige Verlängerung der Mitte des Schünemannweges in beide
Richtungen, die Südgrenze Südendes, bis sie in östlicher Richtung, in Höhe der Rottweiler Straße auf das Maulbronner Ufer stößt. Die Ostgrenze schließlich bildet die Trasse der
Dresdener Bahn. Südende war ursprünglich Teil der Gemarkung Mariendorf (Kreis Teltow) an der Stadtgrenze Berlins. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde Südende als
eigenständiger Ortsteil dem 12. Berliner Bezirks Steglitz angegliedert. 1960 verlor Südende seinen Status als Ortsteil und ist seitdem als Ortslage ein Bestandteil des Ortsteils
Steglitz. Seit 2001 gehört dieser zum sechsten Berliner Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf. Neben dem Namen Südende gibt es in Berlin auch die Bezeichnungen Nordend in
Niederschönhausen und Westend als Ortsteil von Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Osten findet sich dagegen nur als Ostendstraße in Oberschöneweide, zumal das Entstehen von
Siedlungen durch die Anwesenheit von Gewerbe und Industrie behindert wurde. Das heutige Südende war ursprünglich ein völlig wild-sandig-sumpfiges märkisches Gelände. Größere Gewässer
waren der Hambuttenpfuhl und der Kelchpfuhl. In Karten war das teilweise hügelige Gebiet verzeichnet als „Die Rauhen Berge“. Es gab keine Gebäude. In Ost-West-Richtung verlief der Weg
von Steglitz nach Mariendorf südlich an den Seen vorbei (heute in etwa der Steglitzer Damm). In Nord-Süd-Richtung verlief der Priesterweg als Fußweg von Schöneberg nach Lankwitz
westlich am Hambuttenpfuhl entlang. Im Jahr 1841 wurde die Bahnstrecke der Anhalter Bahn in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Hambuttenpfuhl und dem Kelchpfuhl hindurchgebaut. Eine
kleine Bahnwärterei entstand, etwa an der heutigen Crailsheimer Ecke Lörracher Straße. Zum Kauf des Geländes, das bis 1872 zwei Mariendorfer Bauern gehörte, wurde am 26. August 1872
die Terrain-Gesellschaft Südende als Konsortium aus Bank und Bahn gegründet. Die Höhe des Kapitals betrug 800.000 Taler. Ab 1873 entstand hier auf einer Fläche von knapp 88 Hektar,
aufgeteilt in 427 Parzellen verschiedenster Größe, die Villen- und Landhauskolonie Südende als Villenvorort im Landhausstil. Endgültig festgelegt wurde der Name „Südende“ am 19. Juni
1873; offiziell und amtlich eingetragen am 27. August 1873 im preußischen Staatsregister. Das gesamte Baugelände wurde schon 1874 an einen Herrn Christiani verkauft, der eine neue
Terraingesellschaft gründete. Im Jahr 1878 erlosch die Verantwortung der Terrain-AG für Südende, wegen finanzieller Schwierigkeiten infolge der großen Gründerkrise. Die Gesellschaft
bestand bis zum 27. August 1941 weiter mit Sitz in Berlin und Karlsruhe und löste sich dann auf. Ab 1900 entstanden mehr und mehr dreigeschossige Mietshäuser. Die Siedlung um den
Langensteiner Weg wurde erst im Jahr 1930 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde Südende durch Luftangriffe der Alliierten fast völlig zerstört, hauptsächlich innerhalb weniger Stunden
in der Nacht vom 23. zum 24. August 1943 durch einen britischen Bomberverband. Erst viel später wurde nach der Freigabe der Kriegstage- und Logbücher der Royal Air Force in London die
genaue Ursache offengelegt: der Bomberverband hatte nach starkem Flakbeschuss die genaue Orientierung verloren und zwei Stunden lang fast 2000 Tonnen Bomben, die eigentlich das
Regierungsviertel in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte treffen sollten, über Südende und dem angrenzenden Lankwitz abgeworfen. Nach dem Krieg waren im gesamten Teil westlich der
Anhalter Bahn, aber auch im zentralen Bereich östlich der Bahn (Ellwanger- und Hünefeldstraße sowie die Nebenstraßen) die meisten der ehemaligen Häuser nur noch Trümmerhaufen.
Hingegen hatten die Siedlung um den Langensteiner Weg sowie der südöstliche Bereich von der Attilastraße bis zum Teltowkanal nur vergleichsweise geringe Schäden davongetragen. Noch
Ende der 1950er Jahre, als viele andere Teile West-Berlins bereits wieder aufgebaut waren, hatte sich in Südende vergleichsweise wenig getan: es gab noch zahlreiche
Trümmergrundstücke, andere waren freigeräumt worden, nur hier und da auch schon mal ein neues Haus. Noch 1957 bezeichnete die Berliner Morgenpost Südende als „ödes Trümmerfeld“. Erst
in den 1960er Jahren wurden große Teile von Südende neu bebaut. Um möglichst preiswert bauen zu können und dabei den Platz für die jetzt geforderten Grünflächen, Parkplätze und
Spielplätze freizuhalten, entstanden weit über die ehemaligen Grundstücksgrenzen hinweg Siedlungen mit drei- und viergeschossigen Häuserriegeln in aufgelockerter Anordnung. Erst
dadurch wurde das Stadtbild von Südende total und nachhaltig verändert. Das erste Haus in Südende war das 1872 oder 1873 errichtete Bergschlösschen, ehemaliges Jagdschloss vom Grafen
Douglas, das am Hang eines Berges gelegen war. Heute steht auf dem Grundstück das Wohnhaus Oehlertring 33. In der angrenzenden Sandgrube unternahm 1892 der Flugpionier Otto Lilienthal
seine ersten Flugversuche. Im Jahr 1883 waren 17 Grundstücke in Südende bebaut. Alle lagen im Bereich der heutigen Sembritzkistraße und ihrer Seitenstraßen. Das einzige Gebäude
darunter, das den Zweiten Weltkrieg überdauerte, ist die 1873 vom Bankier Eduard Mamroth errichtete spätklassizistische Villa in der Grabertstraße 4, die von 1963 bis 2005 der
Musikschule Steglitz-Zehlendorf als Domizil diente und seit Juli 2008 wieder dient. Diese ist heute nicht nur das älteste Gebäude in Südende, sondern auch eines der wenigen erhaltenen
Beispiele für die ursprüngliche Villenbebauung. Der einzige Industriebau Südendes ist ein auffälliger roter Klinkerbau im spitzen Winkel zwischen den beiden Bahnlinien. Hier, in der
Kelchstraße 31, wurde 1926 nach einem Entwurf von Fritz Höger die Parfümfabrik Scherk errichtet. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz[12] und wird vom Institut für Pharmazie
der FU Berlin genutzt. Das PaReSü (Park Restaurant Südende) war in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen das zweitgrößte Ausflugslokal Berlins mit rund 2000 Plätzen, der mit 18
Bahnen größten Kegelhalle Europas, zwei großen Tanz- und Sitzungssälen, sowie Ruderbootverleih und Badeanstalt direkt am – zum Grundstück gehörenden – natürlichen Teich, dem
Hambuttenpfuhl. Eine 1878 erbaute Villa wurde um 1900 von der Brauerei Haase aufgekauft und zum Gartenlokal umgebaut. Später wurde das Gelände vom Gastronomen Franz Eschstruth
übernommen und die Bebauung immer mehr erweitert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das PaReSü größtenteils zerstört. Lediglich ein Gebäude, das in den 1930er Jahren entstandene Café
Parkquelle am Steglitzer Damm, wurde 1946 als „großstädtisch modernes Caféhaus“ wieder aufgebaut. Es wurde bis 1997 genutzt, zuletzt als Diskothek mit Bar. Konzepte zur weiteren
Nutzung scheiterten an der schlechten Bausubstanz des inzwischen verfallenden Gebäudes. Nach Abriss der Reste des PaReSü eröffnete dort (westlich der Anhalter Bahn, nördlich des
Steglitzer Dammes) im Jahr 2003 ein Lidl-Markt. In Südende lebten unter anderem der Ozeanflieger Günther Freiherr von Hünefeld, die Revolutionärin Rosa Luxemburg, der Komponist Arnold
Schönberg, die Maler George Grosz und Wassily Kandinsky, der Theologe und Schriftsteller Jochen Klepper, der Widerstandskämpfer Adolf Reichwein, die Eltern des Physikers Manfred von
Ardenne, der Journalist und ehemalige UN-Botschafter Rüdiger von Wechmar, die Architekten Otto Rudolf Salvisberg und Alfred Grenander, der Zeichner Walter Trier, der Regisseur Manfred
Durniok, die Nationalsozialisten Reinhard Heydrich, Martin Wülfing, Hans Weinreich, Eberhard Wolfgang Möller und der dem Widerstand um Stauffenberg zuzurechnende Wilhelm Canaris,
sowie die Schauspieler Rolf Zacher, Anita Kupsch, sowie aktuell Jan Josef Liefers und Anna Loos. Im Jahr 1876 gab es 35 Haushalte in Südende und bis zum Jahr 1900 sollten es nach
damaliger Planung 107 Häuser sein. Die abseitige Lage an den eiszeitlichen Pfuhlen (kleine Teiche) war als idyllisch zu bezeichnen, sodass hier bis 1900 knapp 1300, um 1912 etwa 3350,
bis 1920 gerundet 3700, 1925 gut 4200, 1932 um 4500 und 1933 über 5000 Einwohner lebten. Der Höchststand war 1939 mit etwas über 9000 Einwohnern erreicht. 1945 hatte Südende nur noch
2000 Einwohner, bis 1962 stieg die Einwohnerzahl auf 7000 an. Das Gebiet von Südende bewohnen heute etwa 6.500 Menschen. Inmitten der Ortslage befindet sich seit 1880 der S-Bahnhof
Südende an der Anhalter Bahn (S25), am östlichen Rand der S-Bahnhof Attilastraße (seit 1895, bis 1992 Bahnhof Mariendorf) an der Dresdener Bahn (S2). Die Straßenbahnlinie von Steglitz
zum S-Bahnhof Südende wurde 1895 eingerichtet, 1913 bis Mariendorf verlängert, 1942 durch Oberleitungsbusse ersetzt und wird seit 1961 mit Omnibussen betrieben (heute: Linie 282). Ab
1902 führte eine weitere Straßenbahnlinie durch Südende, die zwischen Tempelhof und Lankwitz über den heutigen Steglitzer Damm und die heutige Crailsheimer Straße verkehrte, wobei im
Bereich Steglitzer Damm Dreischienengleise verlegt wurden, da beide Linien unterschiedliche Spurweiten hatten. Nach der Verbreiterung der Attilastraße um 1930 verkehrte die
Straßenbahn geradlinig über diese (heute: Buslinie 184). Südende wird vom Steglitzer Damm und der Attilastraße durchquert. Der Teltowkanal dagegen verläuft am Maulbronner Ufer nur
wenige Meter südlich an Südende vorbei.
Dieser Text basiert auf dem freien Enzyklopädie Wikipedia-Artikel über diesen Ort. Berlin-Südende