Siedlung Onkel Toms Hütte Zehlendorf - PLZ 14169
Die Siedlung Onkel Toms Hütte, oft auch als Onkel-Tom-Siedlung oder Papageiensiedlung bezeichnet
... liegt im Berliner Ortsteil Zehlendorf am Rande des Grunewaldes. Namensgebend war das 1885 eröffnete benachbarte Ausflugslokal, dessen Besitzer Thomas seine Gaststätte in Anlehnung an
Harriet Beecher Stowes Roman Onkel Toms Hütte benannt hatte. Die Siedlung wurde zwischen 1926 und 1932 erbaut. Finanziert wurde das Projekt von der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und
Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG). Diese Gesellschaft (nunmehr eine GmbH unter dem Dach der Deutsche-Wohnen-Gruppe) ist bis heute Eigentümerin der Siedlung. Die Architekten Bruno Taut, Hugo
Häring, Hans Poelzig[1] und Otto Rudolf Salvisberg planten 1100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser. Die Architektur ist vom Neuen Bauen geprägt mit Klarheit und Einfachheit in
der Gestaltung. Durch Vorsprünge der Baukörper wurde eine hohe räumliche Differenzierung erreicht. Auch der Baumbestand wurde in die Planungen mit einbezogen, sodass eine große Nähe von
Natur und Architektur bewahrt werden konnte. Zehlendorf hatte sich seit 1900 zum beliebtesten Berliner Villenvorort entwickelt. Bei der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 wies diese
bevorzugte, nun zum 10. Bezirk der Stadt gewordene Gemeinde die sechstgrößte Fläche mit der niedrigsten Bevölkerungszahl auf. Der Unternehmer Adolf Sommerfeld mit seiner Firmengruppe
besaß Bauland am Rand des Grunewaldes.
Der südliche Teilbereich zwischen einer geplanten Verlängerung der U-Bahn-Trasse und dem Fischtal wurde 1926 durch die GEHAG erworben. Mit der Erarbeitung des
Bebauungsplanes für diesen südlichen Bereich wurden Hugo Häring (Geschäftsführer der Architektenvereinigung Der Ring), Otto Rudolf Salvisberg und Bruno Taut (Chefarchitekt der GEHAG)
beauftragt. Es wurde beschlossen, den Villenbau nicht nach den Plänen des Bezirksamtes weiterzuführen, sondern zu einer Bebauung überzugehen, die vorwiegend aus Reihenhäusern und in ihrer
Mitte aus Mietshäusern bestehen sollte. Die Bezirksverwaltung Zehlendorf sprach sich anfänglich entschieden gegen den Bebauungsplan und das gesamte Projekt aus. Der ursprüngliche Plan
wurde überarbeitet und kam dann mit Unterstützung von Martin Wagner in geringfügiger Veränderung zur Ausführung. Die einzelnen Baugebiete des ersten Bauabschnitts wurden unter den
Architekten verlost; Taut plante den nördlichen, Salvisberg den südlichen und Häring den östlichen Teilbereich. Der Kiefernbestand war mit in die städtebauliche Konzeption einbezogen.
Bauleiter in den Jahren 1924/1925 war Hans Kammler. Gleichzeitig mit Tauts 3. und 4. Bauabschnitt 1927/1928 genehmigte das Bezirksamt einen Antrag der GAGFAH, die Versuchssiedlung am
Fischtalgrund zu errichten. Der 5. Bauabschnitt der Großsiedlung Zehlendorf befand sich nördlich der Argentinischen Allee – also nördlich der seinerzeit geplanten U-Bahn-Trasse – und
umfasste im Wesentlichen Einfamilienreihenhäuser. Dieser Siedlungsabschnitt weist eine besonders differenzierte, die Weiträumigkeit der Anlage unterstreichende Farbgebung auf. Die
Nord-Süd-Reihen erhielten an der Westseite einen warmen, rotbraunen Ton, wohingegen die Ostseiten grau-grün gestrichen wurden, eine den unterschiedlichen Sonnenständen angepasste
Farbgebung. Fenster und Türrahmen stehen in farbigem Wechselspiel mit der Fassade. Parallel zum 5. Bauabschnitt 1929 kam die Verlängerung der U-Bahn-Linie zur Ausführung. Das
Bahnhofsgebäude entwarf Alfred Grenander, sein ursprünglicher Entwurf wurde allerdings nicht komplett realisiert. 1931/1932 erfolgte durch Salvisberg der Anbau der Ladenpassagen an beiden
Längsseiten der U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte. Der 6. Bauabschnitt (Bruno Taut) wurde beiderseits der Argentinischen Allee, nördlich der U-Bahn errichtet. Er ist durch eine
dreigeschossige Randbebauung und dreigeschossige, senkrecht zur Straße stehende Zeilen geprägt. Die Randbebauung ist ein 450 Meter langer nach außen geschwungener Baukörper zwischen
U-Bahnstrecke und Argentinischer Allee und wird im Volksmund auch „Peitschenknall“ genannt. Der letzte Bauabschnitt befand sich nördlich der Argentinischen Allee zwischen Onkel-Tom- und
Riemeisterstraße. Taut lehnte den systematisierten Zeilenbau, also Wohnräume nach Westen und Schlafräume nach Osten orientiert, ab. Durch die Gliederung der Baukörper und eine abgestimmte
Farbgebung entstanden differenzierte Stadträume. Trotz Verwendung nur weniger Haustypen und deren Reihung konnte so eine mögliche Monotonie vermieden werden. Bemerkenswert war auch, dass
zu jedem Einfamilienhaus sowie zu jeder Erdgeschosswohnung ein rund 200 m² großer Garten gehörte. Die ersten vier Siedlungsabschnitte umfassen drei Grundrisstypen: 2½-Zimmer-Wohnungen im
Geschosswohnungsbau, sowie 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen in den Einzelhäusern. Bedingt durch die gestiegenen Grundstückskosten waren die Mieten der Wohnungen vergleichsweise hoch, sodass
sie von Familien des Mittelstands bezogen wurden. Die späteren Siedlungsabschnitte wiesen eine höhere Dichte der Bebauung auf und reagierten somit auf die Entwicklung der Bodenpreise
Zehlendorfs. Nach dieser Siedlung ist der U-Bahnhof Onkel Toms Hütte auf der Linie U3 der Berliner Verkehrsbetriebe benannt. Er wurde 1929 in Betrieb genommen. Im August 2008 forderte die
Berliner CDU, die Siedlung nachträglich als UNESCO-Welterbe vorzuschlagen. Sie sei bei der Nominierung, die im Juli 2008 zur Verleihung des Welterbe-Status an sechs Siedlungen der
Berliner Moderne geführt hatte, übergangen worden.
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