Das ehemalige Dorf Drewitz gehört seit dem 1. April 1939 als Ortsteil
... zur Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam. Mit dem Jahr 1228 zählt Drewitz zu den ältesten im Teltow erwähnten Orten und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Durch das
gleichnamige Neubauviertel Drewitz und die benachbarten Neubauviertel Am Stern und Kirchsteigfeld hat der Potsdamer Osten einen rasanten Aufschwung genommen, wobei dem Viertel
Kirchsteigfeld, das nach der deutschen Wiedervereinigung unter Beteiligung internationaler Architektenteams entstand, eine besondere städtebauliche Bedeutung zukommt. Die Potsdamer
Planungen sehen die gemeinsame Förderung der drei Ortsteile vor und ihr Zusammenwachsen zum eigenständigen Ortsteil ist das Ziel. Dieser Artikel nimmt die Entwicklung vorweg und
behandelt unter dem Namen des ältesten Teils Drewitz die Ortsteile gemeinsam. In der Reihenfolge Stern, Drewitz und Kirchsteigfeld erstrecken sich die Viertel von Nord nach Süd vom
Potsdamer Ortsteil Babelsberg und der ehemaligen West-Berliner Exklave Steinstücken, Teil von Berlin-Wannsee, bis zur Gemeinde Nuthetal mit ihrem Ortsteil Bergholz-Rehbrücke. Den
östlichen Rand bilden die ausgedehnten Wälder der Parforceheide und die A 115, die als Verlängerung der ehemaligen Rennstrecke AVUS seit Mitte der 1930er Jahre Berlin mit dem Berliner
Ring verbindet. Nach Westen endet das Stadtgebiet an der Trasse der „Kanonenbahn“ und nach ihrem Schnittpunkt am Lauf der Nuthe. Vielen West-Berlinern ist der Name Drewitz aus der
Zeit der deutschen Teilung bekannt, da am damaligen Autobahndreieck Drewitz (heutige Bezeichnung: Autobahndreieck Nuthetal) der Transitzubringer nach West-Berlin abzweigte und da
Drewitz der DDR-Kontrollstelle ihren Namen gegeben hatte, den sie auch trug, nachdem sie 1969 auf das Gebiet von Kleinmachnow verlegt worden war. Drewitz gehört als Ortsteil Potsdams
der Metropolregion Berlin/Brandenburg an, aber die Ortsteile haben mit der Parforceheide, weiteren Wäldern und den Nuthewiesen eine landschaftlich aufgelockerte, grüne Umgebung auf.
Wenige Kilometer südlich schließt sich der Naturpark Nuthe-Nieplitz und westlich die Havelseen-Kette mit dem Templiner See an. Im Spätmittelalter und in den ersten Jahrhunderten der
Neuzeit lebten die Dörfler überwiegend von Ackerbau und Viehzucht und dem Fischfang in der Nuthe und der Holzwirtschaft kam Bedeutung zu. Im 18. Jahrhundert werden für den westlich
gelegenen Stadtteil „Teltower Vorstadt“ diverse Manufakturen erwähnt, die – mit unbestimmter Lokalisierung – sicherlich am Havel- oder am Nuthe-Ufer gelegen haben, so ist eine der
Mühlen seit 1678 die Potsdamer Glashütte (um 1760 nach Drewitz verlegt) zugeordnet. In dieser Glashütte Drewitz begann 1674 der spätere Hofbaumeister Martin Grünberg seine Laufbahn
als Schreiber, der 1701 als erster Baumeister Aufnahme in die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin fand. Mit der Entwicklung der Industrie im Großraum Berlin in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich bald auch im Umland Zweigwerke an. Eine nennenswerte Industrie findet sich in Drewitz selbst nicht, Arbeitsplätze entstanden
allerdings in hoher Zahl direkt hinter der Grenze im benachbarten Babelsberg. In der Nähe des ehemaligen Drewitzer Bahnhofs, noch auf dem Gelände von Babelsberg (seinerzeit
Neuendorf), baute die Berliner „Märkische Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel“ 1899 ein Zweigwerk mit einer umfangreichen Kesselschmiedeanlage, in dem viele Drewitzer Beschäftigung
fanden. In der deutschlandweit einmaligen Fabrik wurden zwischen 1899 und 1945 rund 13.000 Dampf- und zwischen 1930 und 1943 rund 1500 Diesellokomotiven hergestellt. Unter dem Namen
LKM „Lowa Lokomotivbau Karl Marx, Babelsberg“ setzte das Werk 1947 – zu DDR-Zeiten als Volkseigener Betrieb – die Produktion fort. 1964 kam es zur Einstellung des Lokomotivbaues. Auf
dem Industriegelände befindet sich heute ein Gewerbepark. Die des Öfteren so bezeichnete „Drewitzer Lokomotivenfabrik“ lag nicht auf Drewitzer Flur, sondern im benachbarten
Babelsberg. In erster Linie finden die Bewohner der drei Stadtviertel auch heute in den anderen Potsdamer Ortsteilen sowie in Berlin Beschäftigung. Inzwischen haben sich neben der
Parforceheide in der Kolonie Bergstücken am Rande des Sternviertel wichtige Behörden und Institutionen angesiedelt wie das Ministerium für Finanzen des Landes Brandenburg, das
Finanzamt Potsdam und die Investitionsbank des Landes Brandenburg. Vornehmlich in Alt-Drewitz liegen einige kleinere und mittlere Gewerbebetriebe. Mit dem umfangreichen Ausbau der
Infrastruktur in den Neubauvierteln entstanden weitere Stellen in Handelsgeschäften, eine große Zahl im Einkaufszentrum Stern-Center, ferner in Schulen sowie weiteren kommunalen und
kirchlichen Einrichtungen. Das alte Angerdorf Drewitz liegt mit seinem Kern, einer 1725 erbauten Kirche und dem Friedhof, an der Straße Alt Drewitz und an den Nuthewiesen entlang. Mit
einigen Straßenzügen reicht das Dorf in die Neubaugebiete hinein. Durch die östlich gelegenen Neubauviertel Stern, Drewitz und Kirchsteigfeld hat sich die Bevölkerungszahl dieser
Potsdamer Region in der jüngeren Geschichte mehr als verdoppelt, in den neuen Vierteln leben rund 30.000 Einwohner. Während der Neubauteil Am Stern zwischen 1970 und 1980 und das neue
Drewitz Ende der 1980er Jahre noch zur DDR-Zeit in der Plattenbauweise errichtet wurden, entstand nach der Wende 1994 das Einkaufszentrum Stern-Center (Eröffnung 24. Oktober 1996).
Das südlich anschließende Kirchsteigfeld aus den Jahren 1993 bis 1998 gilt als urbanes Wohngebiet der architektonischen Postmoderne, an dem ein internationales Architektenensemble
beteiligt war. Kirchsteigfeld: Unter Leitung des Architekturbüros „Krier-Kohl“ fand in einem der größten Bauvorhaben Ostdeutschlands dieses neue Stadtviertel für 4.900 Einwohner seine
Verwirklichung. Ab 1993 entstanden auf 60 Hektar Fläche insgesamt 2.680 Wohneinheiten, dazu Schulen, Kitas, Sport- und Freizeiteinrichtungen, einige Büros, weitläufige Grünflächen und
eine Kirche. Bei der Planung und im Strukturkonzept wurde Wert auf eine eigene Siedlungsidentität unter Einbeziehung landschaftsprägender Elemente wie dem Hirtengraben gelegt. Laut
Wiener Zeitung „vertrat hier Krier die Vorstellung einer geschichtsbewussten, an den klassischen Stadtmodellen Europas geschulten Blockrandbebauung.“ Das Ergebnis mit individuellen
und harmonisch abgestimmten Einheiten mit einer etwas knalligen Buntheit gilt überwiegend als gelungen, eine kritische Stimme spricht von einem Wettbewerb der Putzigkeit. Vor den
Wohneinheiten verweisen Schilder auf das jeweils federführende Architekturbüro. Am Lauf des Hirtengrabens, der aus der Parforceheide kommt und weiter in die Nuthe fließt, entstand ein
breiter Parkstreifen mit einem neu angestauten kleinen See als geschütztem Biotop am westlichen Siedlungsausgang. Eine funktionierende Infrastruktur mit Gewerbe, Dienstleistungen,
öffentlichen Einrichtungen und einer futuristisch anmutenden Kirche von Rob Krier an einem zentralen Platz führt zu Wohnzufriedenheit. Die Wiener Zeitung schreibt und zitiert aus
einer Präsentation des Stadtteils an der TU Wien: „Auf die Frage nach der Wohnzufriedenheit in dem neuen, stark durchgrünten und sichtlich um «menschliches Maß» bemühten Projekt
antwortete Krier mit koketter Herausforderung, sie sei für «Architekturkritiker ekelhaft positiv». Dann ging es zum Buffet.“ Von Anfang an waren die Kirchsteigfeld-Teams bemüht, die
Defizite der Nachbarviertel Stern und Neu-Drewitz zu vermeiden. Insbesondere das Wohngebiet Stern mit Punkthochhausgruppen inmitten von fünfgeschossigen Wohnblocks soll mit intensiven
Maßnahmen und Fördermitteln aufgewertet werden, dabei steht die mangelnde Struktur des Wohnumfeldes im Vordergrund der Maßnahmen. Eine Schwimmhalle, Kitas, Schulen, Jugendclubs und
ein Kindertreff wurden errichtet. Verschiedene Initiativen wie das „Campus am Stern“ sollen den Ausbau der soziokulturellen Einrichtungen verbessern durch bessere Vernetzung der drei
Neubaugebiete und eine Modernisierung/ Instandsetzung der Freiflächen. „Campus am Stern“ besteht aus Studentengruppen der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Architektur und
Städtebau, und gehörte als Projektteil zur – im März 2005 gescheiterten – Bewerbung Potsdams zur Kulturhauptstadt Europas 2010. Die Gesamtplanungen für Potsdam gehen davon aus, dass
der Bedarf bis 2015 um 35.000 neue Wohnungen steigen wird, wobei voraussichtlich überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser gefragt sein werden. Um diesen Bedarf zu befriedigen, nehmen
die drei Neubauviertel einen zentralen Platz in den Planungen ein und sollen als eigenständiger Stadtteil innerhalb Potsdams entwickelt werden. Da sie in ihrem gegenwärtigen Zustand
nicht mehr bedarfsgerecht sind, prognostizieren die Planer einen kontinuierlich steigenden Leerstand in den Plattenbaugebieten Drewitz und Teilen des Sterns. Mit verschiedenen
Sanierungsmaßnahmen wie Rückbau, Umbau bis hin zum Abriss einzelner Gebäude soll diesen Problemen begegnet werden und ein Stadtumbau stattfinden. Im Herbst 2004 bildete sich im
Bürgertreff Sternzeichen ein Beirat zur weiteren Entwicklung des Potsdamer Ostens mit Arbeitsgruppen, die das Zusammenwachsen der Stadtteile fördern sollen. Die Schirmherrschaft
übernahm der ehemalige Potsdamer Oberbürgermeister und derzeitige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der als Direktkandidat im Wahlkreis 22 des Kirchsteigfeldes in den
Brandenburger Landtag gewählt wurde. Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt neben kommunalen Leistungen durch das Brandenburger Infrastrukturministerium.
Dieser Text basiert auf dem freien Enzyklopädie Wikipedia-Artikel über diesen Ort. Drewitz