Werder (Havel) ist eine Stadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg
Als staatlich anerkannter Erholungsort ist Werder überregional auch durch das frühjährliche Baumblütenfest bekannt, das zu den größten Volksfesten in Deutschland zählt. Die Stadt liegt
rund 10 km bzw. 40 km südwestlich der Stadtzentren von Potsdam und Berlin im Nordosten der von der letzten Eiszeit geprägten Landschaft Zauche. Die Kernstadt liegt auf einer Insel in der
dort 700 bis 1400 m breiten Havel auf 38 m ü. NHN. Davon leitet sich auch der Stadtname ab, denn Werder bedeutet – ähnlich wie Werth oder Wörth – Insel im Fluss. Außerdem ist Werder von
den Havelseen Schwielowsee, Glindower See, Großer Plessower See und Großer Zernsee umgeben. Der Ort Petzow wurde bereits am 1. Januar 1926 eingemeindet. Am 1. Januar 1957 wurde die damals
noch selbständige Gemeinde Göttin in die Gemeinde Neu-Töplitz eingegliedert. Am 14. März 1974 schlossen sich Alt-Töplitz, Leest und Neu-Töplitz zur neuen Gemeinde Töplitz zusammen. Zum
selben Zeitpunkt wurde Plessow in die Gemeinde Plötzin eingegliedert. Durch einen Bürgerentscheid schloss sich Bliesendorf am 31. Dezember 1998 der Stadt Werder (Havel) an. Zum 31.
Dezember 2000 wurde die Gemeinde Plötzin in die Stadt Werder eingegliedert. Am 31. Dezember 2001 wurden Glindow, Kemnitz und Phöben eingemeindet. Derwitz und Töplitz folgten am 26.
Oktober 2003. Dem Wunsch der Eingemeindung von Golm, den sowohl die Einwohner des Ortes als auch die Stadt Werder hegten, wurde nicht entsprochen und löste einen großen Streit zwischen
den Befürwortern, dem Innenministerium, und der Stadt Potsdam aus, die Golm schließlich aufnehmen durfte. Werder hätte mit dem neuen Ortsteil den Titel Universitätsstadt (Universität
Potsdam, Max-Planck-Institut und Fraunhofer-Gesellschaft sind dort ansässig) tragen können. Bekannt geworden ist Werder vor allem durch den Obstanbau. Ihm verdankt die Stadt mit dem
Baumblütenfest auch eines der größten Volksfeste Deutschlands. Schon die Mönche des Zisterzienserklosters in Lehnin betrieben hier Obstanbau. Angebaut werden größtenteils Kirschen, Äpfel
und Erdbeeren. Aber auch Gemüse, besonders Tomaten, werden in den Gewächshäusern gezüchtet. Gegenwärtig vertreiben zwei größere Unternehmen die Produkte der Region: zum einen „Werder
Frucht“, das vor allem Säfte und das Obst selbst vertreibt, zum anderen „Werder Feinkost“, das sich auf die Herstellung von Ketchup, Fruchtweine und Brotaufstriche spezialisiert hat. Doch
schon während der DDR-Zeit, in der viele LPG und andere Genossenschaften die Aufzucht der Pflanzen kontrollierten, waren die Produkte aus Werder mehr als beliebt. Neben der Verwendung als
sog. „Bückware“ wurden mit den Spezialitäten der Umgebung mehrere Spitzenhotels (z. B. das „Neptun“ in Rostock) beliefert. Bereits seit Beginn der Industrialisierung, die schnellere
Transportmöglichkeiten hervorbrachte, wurden Obst und Gemüse per Dampfschiff über die Havel in das sich immer rascher entwickelnde Berlin transportiert. Neben den traditionsreichen
Lebens- und Genussmittelherstellern werden im ortsansässigen Schaltgerätewerk vor allem für die Eisenbahnindustrie Schaltanlagen produziert. Seit Anfang 2004 befinden sich die
Produktionsstätten der Fa. Alexander Schuke, eines großen, international tätigen Orgelbaubetriebs, in der Havelstadt. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Backsteinproduktion, vor
allem in Glindow, bedeutsam, die Produkte wurde per Kahn direkt in die aufstrebenden Städte verfrachtet. Der Weinanbau ist neben der Fischerei eines der ältesten Gewerbe der Stadt. In der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in Werder Wein auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar angebaut. Die damaligen Rebsorten waren „Weißer Elbling“, „Weißer und Roter Schönedel“ und
der „Rotfranke“. Es soll jedoch immer mehr Rotwein als Weißwein angebaut worden sein. Auf der Insel wurde Wein am Mühlen- und am Gottesberg angebaut. Das Weinlaub wurde früher zum
Einwickeln von Obst, speziell von Aprikosen und Pfirsichen verwandt. Die Früchte konnten so schonend in den Obsttienen transportiert werden. 1887 wurde noch von zwei Weinbergen berichtet.
Mit dem Erfrieren der letzten Weinstöcke im Winter 1955/56 endete vorläufig die Weinanbauperiode in Werder. Erst 1985 begann die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG)
„Obstproduktion“ auf dem Werderaner Wachtelberg mit dem Anlegen eines Weinberges auf einer Fläche von 4,8 Hektar. Heute wachsen dort auf einer Fläche von fast sieben Hektar circa 30.000
Rebstöcke. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam wurden Weinlehrpfade auf dem Wachtelberg angelegt. Hier wachsen heute 38 Rot- und 40 Weißweinsorten. Zu den wichtigsten Weinlagen in
Werder zählen heute neben dem Werderaner Wachtelberg auch der Wachtelberg in Phöben und der Werderaner Galgenberg, deren Ertrag seit 2012 wieder unmittelbar in Werder gekeltert wird. 2007
wurde auch der Alte Weinberg auf der zu Werder gehörenden Insel Töplitz wiederbelebt; das daraus entandene Weingut Töplitz gilt als das nördlichste Bio-Weingut in der EU. Werder ist über
die Bahnstrecke Berlin–Magdeburg mit der Regional-Express-Linie RE 1 der DB mit Berlin (Fahrzeit nach Berlin Hauptbahnhof etwa 40 Minuten), Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt oder
Brandenburg, Genthin und Magdeburg im 30-Minuten-Takt verbunden. Busverbindungen bestehen in die Landeshauptstadt Potsdam sowie nach Golm beziehungsweise Töplitz, Kemnitz, Glindow
beziehungsweise Bliesendorf und in Richtung Lehnin. Innerhalb Werders verkehrt eine Citybuslinie, die das Durchqueren der gesamten Stadt für 0,50 € ermöglicht. Die Stadt Werder wird im
Norden von der Unteren Havel-Wasserstraße mit dem Sacrow-Paretzer Kanal tangiert. Durch die Stadt fließt die Potsdamer Havel, ebenfalls eine Bundeswasserstraße.
Fahrgastschifffahrtsunternehmen bieten in der Saison Ausflugslinien auf den Havelseen der Umgebung sowie regelmäßige Schiffsverbindungen nach und von Potsdam an. Mit dem Auto ist Werder
aus Richtung Potsdam oder Brandenburg an der Havel über die Bundesstraße 1, eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen, erreichbar. Von der Autobahn aus ist Werder über mehrere Abfahrten
erreichbar. Dazu zählen die Abfahrten Glindow (AS 20, südlich des Stadtzentrums), Groß Kreutz (AS 22, westlich gelegen) und Phöben (AS 23, im Norden der Stadt). Sie alle sind Teil des
Berliner Rings (A 10). Das Autobahndreieck Werder (AS 21) verbindet diesen mit der A 2 in Richtung Magdeburg. Zehn Kindergärten, darunter die Integrationskita Anne Frank, die sich sowohl
in öffentlicher als auch privater Trägerschaft befinden, sorgen für die jüngsten Einwohner. Für Schulkinder gibt es in der Stadt mehrere Horte. Ebenso existieren mehrere Begegnungsstätten
für Jung und Alt wie Jugendclubs und Senioreneinrichtungen. Gemeindezentren in den Ortsteilen (z. B. Kemnitz, Plötzin) stehen auch den Bürgern und Vereinen für private und öffentliche
Veranstaltungen zur Verfügung. Die stadteigene Bibliothek befindet sich seit einigen Jahren mit erweitertem Medienangebot in einem neuen Gebäude. Für ärztliche Betreuung sorgen viele
einzelne Praxen von Allgemein- und Zahnärzten. Eine chirurgische Gemeinschaftspraxis befindet sich mit Kinderarzt, Augenarzt, Zahnärzten, einer Logopädiepraxis und weiteren Fachmedizinern
im örtlichen Ärztehaus. Direkt an dieses angegliedert ist eine von vier Apotheken. Sie setzt die Tradition der Adlerapotheke von der Insel fort. Es gibt Reformhäuser in den einzelnen
Ortsteilen und viele Physiotherapiepraxen. Der Malteser Hilfsdienst unterhält direkt am Ärztehaus eine Rettungswache. Die Polizeiwache Werder gehört zum Schutzbereich Brandenburg. Die
Deutsche Post AG betreibt in der Filiale eines Supermarktes eine Außenstelle. Außerdem gibt es ein kleines Verteilerzentrum, das die Ortschaften mit Briefen und Paketen versorgt. Für
Sportvereine stehen in Werder zwei Feldersporthallen mit Zuschauerplätzen auf Schulgeländen bereit. Für viele andere Sportarten gibt es in der Stadt mehrere Betätigungsstätten, wie z. B.
kleinere Turnhallen, eine Regattastrecke mit einer Länge von 1500 m, einen großen Sportplatz mit Tartanbahn (Arno-Franz-Sportplatz), eine Tennisanlage, zwei Sportzentren sowie ein
Bowling- und Kegelzentrum. Im Ortsteil Phöben sind Europas größte Indoor-Reithalle, ein Polo-Club und ein 18-Loch-Golfplatz nebst Verein angesiedelt. Im Ortsteil Bliesendorf entsteht auf
fast 30.000 m² die sowohl größte, als auch die erste deutsche Cricket-Anlage mit einer Rasen-Pitch (neben Amsterdam die einzige derartige Anlage in Kontinental-Europa). Initiiert und
gebaut vom Nordostdeutschen Cricket Verband (NOCV – in Werder beheimatet) ist das zukünftige „DCB-Leistungszentrum des NOCV“ sportliche Heimat des „Havelländischen Cricket Club Werder e.
V.“. Viele Sportvereine, zum Beispiel für das Rudern, Segeln, Windsurfen, Wasserwandern, Angeln können sich der Wasservielfalt der Umgebung bedienen. Weiter bestehen ein Tennisverein „TC
Werder Havelblick“, ein Heimatverein, ein Hundesportverein, der Verein Historischer Weinberg, der Karnevalsclub Werder, ein Schützenverein, der Kegelverein (KV Werder), der Werderaner FC
Viktoria 1920 e. V., der Werderaner VV 1990 e. V. und die Werderaner Bogenschützen.
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