Rathenow ist eine amtsfreie Stadt an der Havel, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin
... und Verwaltungssitz des Landkreises Havelland in Brandenburg. Das heutige Stadtgebiet ist identisch mit dem von 1992 bis 2001 existierenden Amt Rathenow. Seit dem 13. Mai 2013 führt
die Stadt offiziell, auch auf den Ortseingangsschildern, die Zusatzbezeichnung „Stadt der Optik“. Die Rathenower Bibliothek wird voraussichtlich demnächst aus finanziellen Gründen
geschlossen. Rathenow ist dann die einzige deutsche Stadt dieser Größe ohne Stadtbibliothek. Vom 22. April 2006 bis 15. Oktober 2006 fand in Rathenow die Landesgartenschau des Landes
Brandenburg unter dem Motto Den Farben auf der Spur statt, die knapp 500.000 Gäste besuchten. Dazu wurden umfangreiche Baumaßnahmen sowohl auf dem Weinberg als auch dem
Schwedendammgelände durchgeführt. So wurde eine stark verfallene Mühle komplett umgebaut. Sie diente vor und während der Gartenschau der LAGA GmbH als Geschäftsstelle und beherbergt ein
„grünes“ Klassenzimmer. Nach der Landesgartenschau zog die Musikschule Rathenow – nach kurzen Umbaumaßnahmen – in die Räumlichkeiten ein. Auf dem Gelände der Rathenower Landesgartenschau
eröffnete am 28. April 2007 der Optikpark Rathenow. In den nächsten Jahrzehnten soll die Untere Havel renaturiert werden und der Fluss seine natürliche Gestalt wiedererlangen. Dadurch
wird der Verlauf kurviger und die Auen weiter, was dem Hochwasser-Risiko entgegenwirkt. In diesem Rahmen soll im Jahre 2015 in Rathenow und anderen Städten entlang der Unterhavel die
Bundesgartenschau der „Havelregion“ stattfinden. Kulturzentrum Rathenow (Theater, Optikindustriemuseum, Kunstausstellungen und Restaurant) im Zentrum der Stadt. Das Rolfsche Fernrohr
(Rathenower Refraktor) ist ein weltweit einzigartiges Brachymedial-Fernrohr. Erbaut wurde es vom Ingenieur Edwin Rolf in den Jahren 1949 bis 1953. Das Fernrohr ist ein technisches Denkmal
und wurde von 1994–1996 vollständig saniert. Seit 2008 kann das Teleskop im Rathenower Optikpark besichtigt werden. Im Südosten der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Wolzensee. In
der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, welche unlängst restauriert wurden. Ansonsten ist die Altstadt nach fast völliger
Kriegszerstörung von Bauten aus der Nachkriegszeit geprägt. Am Friedrich-Ebert-Ring befindet sich eine ausgedehnte Wohnanlage aus dreigeschossigen Zeilenbauten, die 1929–1931 von dem
Architekten Otto Haesler (damals: Celle) errichtet wurde. Es handelt sich dabei um die architektonisch wohl bedeutendste Wohnsiedlung der Weimarer Republik auf dem Gebiet des heutigen
Landes Brandenburg. Durch eine Sanierung Mitte der 1990er Jahre wurden die Proportionen der Fassaden durch das Aufbringen eines Wärmedämmsystems empfindlich gestört. Der Architekt Otto
Haesler, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übergesiedelt war, hatte für die kriegszerstörte Innenstadt von Rathenow einen Wiederaufbauplan vorgelegt, der ebenfalls radikal auf der
Zeilenbauweise basierte. Dieser Plan wurde nur in Rudimenten realisiert. So konnte Haesler rund um den Platz der Jugend in der Altstadt 1950/51 einige Gebäude tatsächlich bauen. Sie
lehnen sich – zum Beispiel mit dem Motiv der erkerartig hervortretenden, verglasten Treppenhäuser – an die Entwürfe des Architekten der zwanziger Jahre an, erreichen allerdings deren
Eleganz nicht mehr. Kurz darauf wurde in der DDR der Baustil der „Nationalen Tradition“ obligatorisch; insofern sind die Haesler-Bauten in der Rathenower Altstadt ein seltenes Beispiel
für eine sozial engagierte Architektur im Stil der Vorkriegs-Avantgarde in der Anfangszeit der DDR. In der Stadt steht das größte barocke Sandsteindenkmal Norddeutschlands, welches an den
Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erinnert, der in der Schlacht von Fehrbellin 1675 die Schweden besiegte. Das Denkmal wurde 1736–1738 von Johann Georg Glume nach einem Modell von
Bartolomé Damart geschaffen und zeigt den Großen Kurfürsten in der Tracht eines römischen Imperators auf einem Postament, an dem Allegorien und Schlachtenreliefs angebracht sind. Auf dem
Weinberg, einem innenstadtnahen Erholungspark (2006 Teil der Landesgartenschau), steht der 1914 eingeweihte Bismarckturm, errichtet zu Ehren Otto von Bismarcks, der in der Nähe von
Rathenow in Schönhausen/Elbe geboren wurde. Der Turm wurde 1945 schwer beschädigt, in den 1960er Jahren gab es Umbauversuche zu einer Sternwarte, 2003 wurde er nach Sanierung wieder
eingeweiht. Denkmal für die Opfer des Faschismus (von 1951) auf dem Stufenunterbau des 1942 eingeschmolzenen Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem heutigen Platz der Freiheit, Gedenkstätte
für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf dem Städtischen Friedhof westlich der Großen Milower Straße für 98 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern. Auf dem gleichen
Friedhof sind 56 weitere Opfer der Zwangsarbeit begraben, Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und ihre Kinder auf dem 1943 errichteten „Ausländerfriedhof“ in einem Wald zwischen Bammer Straße
und der B188, zu erreichen über die Neufriedrichsdorfer Straße Jüdischer Friedhof mit Gedenkstein für die von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Bürger der Stadt an der
Neufriedrichsdorfer Straße 17, Gedenktafel am ehemaligen Betsaal der Jüdischen Gemeinde Fabrikenstraße 2 zur Erinnerung an die ausgerottete Gemeinde, Gedenktafel an der Dorfkirche des
Ortsteils Steckelsdorf für die jüdischen Opfer der Umschulungsorganisation Landwerk („Hachschara“) am Horstenweg 5/6, Gedenktafel für Pfarrer August Froehlich am Pfarrhaus von St. Georg
Rathenow in der Friesacker Straße Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Rathenow ist eng mit der Entwicklung der optischen Industrie verbunden. Nach Etablierung der späteren Rathenower
Optische Werke (ROW) siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 300 Unternehmen der optischen Industrie in Rathenow an. Viele Jahrzehnte arbeiteten mehrere Tausend Menschen in
diesem Bereich. Nach 1949 avancierte Rathenow beispielsweise zum alleinigen Fabrikationsort für Brillen in der DDR. Einige der nach 1990 privatisierten Nachfolgeunternehmen von ROW sind
weiterhin im Bereich der optischen Industrie tätig (z. B. Mikroskopbau durch Askania). Rathenow liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen B 102 (Richtung Brandenburg und Neustadt (Dosse))
und B 188 (Richtung B 5 Hamburg–Berlin und Stendal). In und um Rathenow verkehren Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft, die die einzelnen Ortsteile und die umliegenden Städte und
Gemeinden mit Rathenow verbinden. Am Bahnhof Rathenow verlaufen die Bahnlinien Berlin–Hannover und Brandenburg–Neustadt (Dosse). Von Dezember 2007 bis Dezember 2009 hielten hier auch Züge
der IC-Linie Stettin-Berlin-Amsterdam. Aktuell (2012) bestehen folgende Bahnverbindungen im Regionalverkehr: RE 4 nach Ludwigsfelde über Berlin, RB 51 nach Brandenburg (Havel) und RB 13
nach Stendal. Die Verbindung nach Neustadt (Dosse) wurde Ende 2003, das Teilstück von Rathenow nach Rathenow-Nord Ende 2005 eingestellt. Privaten und gewerblichen Flugverkehr gibt es in
Stechow, etwa acht Kilometer nordöstlich der Stadt; der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Berlin-Tegel in 65 Kilometer Entfernung. Durch die Lage Rathenows an der Havel
kann Schifffahrt betrieben werden. Es gibt einen Hafen und eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe ins Havelland.
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