Kerzendorf ist ein Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming, Brandenburg)
Bis zur Eingliederung in die Stadt Ludwigsfelde im Jahr 1997 war der Ort eine selbständige Gemeinde. Das vom Bauboom in der Nachwendezeit verschont gebliebene märkische Sackgassendorf
mit seinen rd. 190 Einwohnern (Stand 2011) und einer Fläche von 9 km² liegt an der alten Bundesstraße 101 (heute K7241) ca. 3 km südöstlich des Stadtzentrums von Ludwigsfelde. Der Ort
weist noch heute vielfältige Zeugnisse seiner wechselvollen Geschichte auf. Urkundlich wird Kerzendorf erstmals im Jahre 1378 nachgewiesen. Die noch häufig und insbesondere in der
älteren Literatur zu findende Ersterwähnung von 1346 beruht auf der falsch datierten Meißner Bistumsmatrikel, die heute auf das Ende des 16. Jahrhunderts datiert wird. Die Herkunft
des Namens ist nicht gesichert. Schlimpert gibt im Wesentlichen drei Möglichkeiten an, wie der heutige Name entstanden sein könnte. Am wenigsten wahrscheinlich hält er eine Ableitung
von einem deutschen Personennamen Kersten (von Christian), da es nur einen einzigen frühen Beleg mit der Schreibweise Kerstendorff gibt. Eine Umstellung von -st- in Kersten zu -ts-
ist möglich und auch in anderen Fällen belegt. Meist lauten die frühen Belege aber auf Kertzendorff, Kerczendorf oder bereits auf die, der heutigen Schreibweise sehr nahe kommende
Form Kerzendorff. Schlimpert verifiziert weiter eine mögliche Herkunft von mnd. kerse (kertze) = Garten- oder Brunnenkresse, oder kertze = Kerze, gegossenes Wachslicht"; eventuell
sogar auch von kerse = Kirsche. Das Bestimmungswort Ker(t)z- lässt sich aber auch von einem slawischen Personennamen ableiteten. Slawisch-deutsche Mischnamen von Orten sind in der
näheren Umgebung von Kerzendorf häufig anzutreffen. Im Tschechischen gibt es den Personennamen Krča zu č. skrčeny = gebückt, zusammengezogen. 1346 ist in einer Spandauer Urkunde der
Personenname kertze brun belegt. In Tschechien gibt es die Ortsnamen Krč, Krčin und Krčkovice, im Polnischen Karczyn, im serbokroatischen Krčevo und Krčin. In der näheren Umgebung
kommt in Schenkendorf (zwischen Königs Wusterhausen und Mittenwalde) 1799 der Flurname die Kartzen, Kärtzen vor, in Kallinchen und Motzen (östlich von Zossen) sind die Flurnamen
Quartzen und Quertze belegt. In der Urkunde von 1378 geht es um Abgaben aus einem Krug in Kerzendorf, ein erster Beleg für den Krug, der fast kontinuierlich über die Jahrhunderte
belegt ist. 1450 hatte das Dorf 44 Hufen von denen der Pfarrer zwei von Abgaben befreite besaß. Außerdem wohnten noch drei Kossäten und ein Hirte im Dorf. 1624 sind es 14 Bauern, zwei
Kossäten, ein Schmied und ein Hirte, die in Kerzendorf lebten. Das frühere Lehnschulzengut war an die Herrschaft gefallen und die Hufe von Abgaben befreit worden. Der Dreißigjährige
Krieg scheint Kerzendorf nicht so schlimm getroffen zu haben; 1652 waren zwar erst sechs Bauerngüter und zwei Kossätenstellen wieder besetzt. Aber bereits 1655 sind alle 14 Bauernhöfe
und die drei Kossätenhöfe wieder bewirtschaftet. 1711 wird erstmals das Rittergut des „von Thümen“ erwähnt, das 1745 als Vorwerk bezeichnet wird. Um 1840 gab es in Kerzendorf 34
Wohnhäuser. Bis zum Jahr 1900 war die Zahl auf 41 Häuser gestiegen. 1931 wurden schließlich 54 Wohnhäuser gezählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 345 Hektar enteignet und auf 85
Wirtschaften aufgeteilt. Auch 39 Altbauern wurde Land zugewiesen. 1958 bildete sich eine erste LPG Typ I mit 14 Mitgliedern und 113 Hektar Nutzfläche. 1960 bildete sich noch eine LPG
Typ III, die noch im selben Jahr mit der LPG Typ I verschmolzen wurde. 1961 bewirtschaftete die LPG Typ III mit 64 Mitgliedern 391 Hektar. Erste nachweisbare Besitzer des Dorfes waren
die Gebrüder Reiche, die das Dorf vom brandenburgischen Markgrafen zu Lehen hatten. 1413 wurde Johann von Torgow, Herr zu Zossen, durch Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg (später
Friedrich I. von Brandenburg) mit dem Dorf Kerzendorf belehnt. Kerzendorf kam auf diesem Weg als sogenanntes brandenburgisches Lehen an die Herrschaft Zossen. Bereits vor 1479 wurde
die Dorfherrschaft (Gericht, Patronat und Abgaben) geteilt. Gewisse Rechte wie die Burgdienste und die Landfolge verblieben jedoch beim Amt Zossen, das aus dem Herrschaft Zossen
entstanden war. Die eine Dorfhälfte erscheint 1523 im Besitz der Familie v. Schlieben, die ihren Anteil in diesem Jahr an die Familie v. Schlabrendorf zu Beuthen bzw. Siethen
verkauften. 1752 konnten sie auch die andere Hälfte erwerben. Bereits 1479 war dieser Anteil im Besitz der Familie Guntz, auch "Zicker, sonst Guntzke genannt". Später schreibt sich
die Familie von Zicker oder auch Zucker; sie hatte ihren Sitz in Genshagen. 1677 erwarb die Familie von Thümen diesen Anteil, und verkaufte ihn 1752 an die v. Schlabrendorf. Der
Besitz der v. Schlabrendorf in Kerzendorf umfasste das Ober- und Untergericht, das Patronat über die Kirche, Dienste der Bauern, Zehnten, Zinsen und z.T. auch die Rauchhühner sowie
das Bruch vom Damm (über die Nuthegrabenniederung nach Wietstock) bis an den Eppenweg (unbekannte Lokalität). 1756 gingen Dorf und Rittergut in den Besitz der le Duchat von Dorville
über. 1802 erwarb der Baron v. Medem Kerzendorf und das Rittergut. 1817 ist Frau von Quistorf die Besitzerin und 1820 bis 1850 der Graf von Königsmarck. Danach erwarben bürgerliche
Familien den Besitz: 1856 Ascher, 1860/4 Meyen und 1882 Schwabach. Der Ort liegt in der Landschaft des Teltow und damit im alten Kreis Teltow der sich im Laufe des 16. Jahrhunderts
herausbildete. Bei der Kreisreform und Auflösung der alten (Groß-)Kreise und Länder im Jahr 1952 in der DDR kam Kerzendorf zum neugebildeten Kreis Zossen im Bezirk Potsdam. Nach der
Wende wurde der Kreis Zossen 1990 zunächst in Landkreis Zossen umbenannt. 1993 wurde er mit den Kreisen Jüterbog und Luckenwalde zum neuen Landkreis Teltow-Fläming zusammenlegt. Im
Zuge der Ämterbildung in Brandenburg zur effektiveren Verwaltung der vielen kleinen Gemeinden schloss sich Kerzendorf 1992 mit acht weiteren Gemeinden zum Amt Ludwigsfelde-Land
zusammen. 1997 schied aus dem Amt Ludwigsfelde-Land aus und wurde Teil der Stadt Ludwigsfelde. Kerzendorf war ursprünglich ein Kirchdorf, wie die zwei Pfarrhufen im Schoßregister von
1450 belegen. Nach der Meißner Bistumsmatrikel gehörte es zur Sedes Zossen und damit zum Bistum Meißen. Der Ort hatte eine Feldsteinkirche, die vermutlich dem 13. oder 14. Jahrhundert
entstammte. Sie wurde 1894 niedergelegt und durch einen Neubau ersetzt. Im Jahr 1612 war Kerzendorf bereits Tochterkirche von Wietstock. Der Krüger in Kerzendorf bebaute die zwei
Pfarrhufen gegen Abgaben an den in Wietstock ansässigen Pfarrer. Heute gehört Kerzendorf zum Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming. Architektonischer Mittelpunkt des noch immer
von Landwirtschaft (heute vorwiegend Pferdezucht, z. B. Irish Tinker) und einer dörflichen Struktur geprägten Ortes sind die Kirche sowie das Gemeindehaus mit dem 2002 neu errichteten
Feuerwehrgebäude der 1934 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Kerzendorf. Die erste Kirche in Kerzendorf war ein Feldsteinbau mit einem verbretterten, etwa 20 m hohen Turm. Ende des
19. Jahrhunderts ließ Paul Schwabach nach einem Entwurf von Karl Hoffacker die heutige Kirche im neoromanischen Stil errichten. Sie wurde am 10. November 1897 feierlich geweiht. Sie
ist ein verputzter Backsteinbau mit einem Basaltsockel. Die Rahmungen der Portale und der in Gruppen zusammengefassten Fenster sowie die Säulchen und Kapitelle der Arkadenstützen sind
dagegen aus Rheinischem Tuff (Ettringer Tuff oder Weiberner Tuff) gearbeitet. Die Kirche ist innen von einem hölzernen Tonnengewölbe überspannt. Die Sockelzone der Tonne ist farbig
ornamentiert. Der ursprüngliche Triumphbogen zwischen Chor und Schiff wurde nach 1945 vermauert, der Chor zur Sakristei umgestaltet. Die Ausstattung der alten Kirche ist bis auf ein
Sandsteinepitaph für den preußischen Staats- und Justizminister, Kammergerichtspräsidenten und Präsidenten des französischen Obergerichts in Berlin Johann Ludovicus le Duchat de
Dorville († 1770) verschwunden. Ein Blickfang auf dem Dorfanger neben dem Dorfbrunnen ist die große Dorfeiche, welche zum Naturdenkmal erklärt wurde. Die Liste der Denkmale des Landes
Brandenburg verzeichnet zwei Objekte. Bei dem im Volksmund Schloss genannten, herrschaftlichen Anwesen handelte es sich um ein märkisches Guts- oder Herrenhaus. Es entstand im 18.
Jahrhundert, die genaue Bauzeit ist nicht bekannt. Am wahrscheinlichsten ist es durch die Familie le Duchat de Dorville ab 1756 erbaut worden, denn die Vorbesitzer hatten ihre
jeweiligen Wohnsitze in anderen Gemeinden der näheren Umgebung. Zum Gut gehörten noch weitere Gebäude wie das sogenannte Kavaliershaus, das Gutsverwalterhaus, der Marstall mit einem
25 m hohen Wasserturm, das Gärtner- und spätere Forsthaus, Gewächshäuser sowie weitere Nebengebäude, Bauernhäuser und Stallungen. Im Jahre 1882 erwarb der Bankier Julius Leopold
Schwabach das Gut zu Kerzendorf, das im Jahr 1914 391 Hektar umfasste mit dem Herrenhaus und ließ es als luxuriösen Sommersitz ausbauen. Später übernahmen sein Sohn, der 1907 geadelte
Bankier und Historiker Paul von Schwabach (eigentl. Paul Hermann von Schwabach) (1867-1938) und nachfolgend dessen Schwiegersohn, der Diplomat und Kunstsammler Alfred Horstmann
(1879-1947) das im Zweiten Weltkrieg durch Brandbomben fast vollständig zerstörte Anwesen. Die bedeutende Sammlung historischer Porzellane, die Horstmann im Gutshaus zusammen getragen
hatte, wurde nach dem Krieg geplündert und das ruinierte Gutshaus schließlich abgerissen. Horstmann starb 1947 in einem sowjetischen Internierungslager in Oranienburg, seine Frau
Lally 1954 in Brasilien. Teile der alten Gutsanlage sind noch erhalten (z. B. das Gutsverwalterhaus, Teile des Marstalls, das Gärtnerhaus sowie Stallanlagen und das Schlosstor). Das
Tor wurde im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen im Sommer 2009 wieder errichtet. Einige noch heute im Dorf verstreut stehende Statuen sowie der fast ausgetrocknete und verwilderte
Schlossteich lassen den verblichenen Glanz des romantischen Schlossparks erahnen. Das Refugium war durch „von Schwabach“ nach Vorlagen des französischen Gartenarchitekten Jacqes
Francois Blondel gestaltet worden. In späterer Zeit wurde aus Schloss und Park ein harmonisches Gesamtkunstwerk, welches kaum spürbar in den natürlich gewachsenen Wald überging. Es
befanden sich viele Steinbänke und Skulpturen im Park. Auf der kleinen Insel im Schlossteich, der über einen von Gondeln befahrenen Graben mit Wasser versorgt wurde, wachte ein großer
Buddha über den Rhododendron und all die Blütenpracht. Am Rande des Parks befand sich auch eine Fasanerie. Schon 1942/43 wurde der Schlosspark zu Kerzendorf als Kulisse für den Film
"Romanze in Moll" genutzt. 2006 wurde dieses Potential Kerzendorfs wiederentdeckt und das ehemalige Parkgelände war Drehort für die Serie "Allein unter Bauern". Die verträumten
romantischen Alleen und Gassen des kleinen Dorfes präsentierten sich auch als gelungene Szenerie für Dreharbeiten zur Serie "SOKO Wismar" im Jahr 2007. Am 22. August 1813 wurde auch
Kerzendorf zum Schauplatz eines Gefechts im Kontext der Befreiungskriege. Daran erinnert noch heute ein im Wald nahe dem Ort gelegenes Denkmal am Schanzenberg. Am Vorabend der
Schlacht von Großbeeren rückte die napoleonische Armée de Berlin nach Norden vor. Nuthe und Nuthegraben waren damals noch breite Sumpfgebiete, die nur an wenigen Stellen passierbar
waren. Der Thyrower Damm und der Damm zwischen Thyrow und Märkisch Wilmersdorf wurde von Generalmajor August von Thümen verteidigt. Der andere Übergang war der Wietstocker Damm über
den Nuthegraben. Wietstock wurde zunächst durch das Bataillon unter Major Wedell gegen die aus Märkisch Wilmersdorf und Nunsdorf vorrückenden napoleonischen Truppen verteidigt. Dabei
musste dieses sich über den Damm nach Westen auf das andere Ufer zurückziehen, wobei es die hölzerne Brücke über den Nuthegraben mitnahm. Sie bezogen Stellung auf dem Schanzenberg;
die sog. Wietstocker Schanzen liegen zum großen Teil auf der Gemarkung von Kerzendorf. Um den Damm wurde heftig gekämpft, wobei die preußischen Truppen den Angreifern auf dem fast
deckungslosen Damm hohe Verluste zufügten. Wietstock wurde durch preußische Kanonen in Brand geschossen. Nach mehreren Stunden gelang es den Angreifern, den Nuthegraben zwischen
Wietstock und Kerzendorf auf provisorischen Übergängen zu queren und Kerzendorf zu besetzen. Damit waren die Flanken der preußischen Truppen bedroht, die sich langsam zurückzogen. Die
Angreifer konnten unter großen Verlusten die Nuthe (bei Thyrow) und den Nuthegraben (bei Wietstock) überqueren. Auch den Damm südlich von Jühnsdorf über das Sumpfgebiet der großen
Wiese westlich des Rangsdorfer Sees konnten die napoleonischen Truppen an diesem Tag einnehmen und Stellung in Jühnsdorf beziehen. Die preußischen Truppen zogen sich auf Blankenfelde
und Großbeeren zurück. Sie hatten an diesem Tag über 350 Mann verloren. Die Verluste der napoleonischen Truppen sind nicht bekannt. Am folgenden Tag, dem 23. August 1813, gelang den
preußischen Truppen der entscheidende Sieg in der Schlacht von Großbeeren, der den Vorstoß der Armée de Berlin stoppte und die napoleonischen Truppen zum Rückzug zwang.
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