Das lange Zeit selbständige Dorf Gröben (36 m ü. NN) ist seit dem 31. Dezember 1997 ein Ortsteil
... der rund sechs Kilometer entfernten Stadt Ludwigsfelde im Landkreis Teltow-Fläming. Benachbarte Dörfer sind Schiaß, Jütchendorf und Siethen, die ebenfalls zu Ludwigsfelde gehören,
sowie Fahlhorst und Tremsdorf aus der Gemeinde Nuthetal. Gröben liegt in der Nuthe-Nieplitz-Niederung nur rund zehn Kilometer von der südwestlichen Stadtgrenze Berlins entfernt und
dicht bei Potsdam. Das Dorf mit 312 Einwohnern und 6,91 km² Fläche (Stand 2010)[2] ist vor allem in geschichtlicher und kulturlandschaftlicher Hinsicht sowie durch seine Kirche und
das älteste Kirchenbuch der Mark Brandenburg interessant. Gröben verfügt über das älteste erhaltene Kirchenbuch (1575) der Mark Brandenburg, das Theodor Fontane mehrfach eingesehen
und in seinen Werken verarbeitet hat. Das Kirchenbuch bietet die Möglichkeit, Dorfgeschichte in Familiengeschichten nachzuzeichnen. Die „offene“ Kirche mit Grundmauern aus dem 13.
Jahrhundert und reichen Wandmalereien und Deckenornamenten blickt auf eine wechselvolle Baugeschichte zurück. Der Gröbener Kietz ist einer der wenigen „echten“, ursprünglichen Kietze.
Gröben liegt im Norden des Naturparks Nuthe-Nieplitz am Zusammenfluss der beiden namensgebenden Flüsse Nuthe und Nieplitz – die Veränderungen der Gewässer schrieben ebenfalls
Geschichte. Die intakte Kulturlandschaft des Naturparks direkt vor den Toren Berlins führte nach der Wiedervereinigung Deutschlands mit touristischen Angeboten zu neuen
wirtschaftlichen Zielsetzungen der Dorfbewohner. Fontane verarbeitete die verschiedenen Besuche in Gröben zu einer ausführlichen Beschreibung des Dorfes. In einem separaten Kartenteil
werden die beiden wiedergegebenen historischen Karten eingehender erläutert als in diesem Text. Darüber hinaus zeigt eine zusätzliche aktuelle Karte die Lage Gröbens in der
Gesamtregion Fläming südwestlich von Berlin. Das ursprünglich dreieckige Sackgassendorf Gröben wurde im Zuge der von Albrecht dem Bären und seinem Sohn Otto I. betriebenen
Ansiedlungspolitik um 1170 als Kolonistendorf durch eine Familie von Gröben, die aus der Altmark kam, gegründet. Die beiden ersten brandenburgischen Markgrafen versuchten mit dieser
Politik erfolgreich, die 1157 eroberte und gegründete Mark Brandenburg, die noch in weiten Teilen von slawischen Stämmen bewohnt war, zu christianisieren und nach verschiedenen
deutschen Fehlversuchen in den Jahrhunderten zuvor endgültig zu stabilisieren. Ein weiterer wichtiger Faktor der Stabilisierungspolitik war der Ruf nach den Zisterzienser-Mönchen, die
1180 im Zentrum der Zauche rund 30 Kilometer entfernt das Kloster Lehnin gründeten und mit ihrer harten Arbeit und Missionierung erheblich zum Erfolg der askanischen Politik
beitrugen. Um 1250 errichteten die Zisterzienser die Gröbener Dorfkirche. Eine erste Erwähnung Gröbens ist für das Jahr 1352 belegt. Nach dem Ende der rund 170-jährigen askanischen
Herrschaft in der Mark Brandenburg im Jahre 1320 mit dem Tod Heinrich des Jüngeren übernahmen, bevor 1415 die Hohenzollern kamen, für kurze Zeit die Wittelsbacher/Luxemburger die
Herrschaft in der Mark. Markgraf Ludwig II. unterhielt 1352 ein Feldlager bei Gröben und in einer hier ausgestellten Urkunde findet Groeben erstmals eine schriftliche Erwähnung als
castris prope villam Groeben, als Feldlager vor Gröben. Die Herkunft des Namens Gröben ist ungesichert. Möglicherweise geht der Name auf das slawische Grob’n = Grab, Graben, Damm
zurück – in diesem Falle hätte die begüterte Familie von Gröben, wie seinerzeit üblich, den Namen von ihrer Besitzung, dem Dorf, angenommen. Dagegen wird auch die These vertreten,
dass die Familie bei der Gründung um 1170 dem Dorf ihren Namen gab. Nach dieser These habe die Familie den Namen ursprünglich von ihrer Siedlung Gribehne (Grobene, Grebene), drei
Kilometer nordwestlich vor Calbe (Saale) gelegen, angenommen. Für die Familie finden sich die beiden Schreibweisen von Gröben und von der Gröben. Der Familie gehörte das Land bis hin
zum Teltow, sie wurde einer der wichtigsten und mächtigsten Vasallen von Kaiser Karl IV. in der Mark. Das Landbuch Karls IV. von 1375 verzeichnet folgende Eintragung: Bei H. von
Gröben handelt es sich um den „adligen Grundherren Henning von Gröben“, von dem aus dem Dorf Marzahn bei Berlin berichtet wird, dass er um 1375 die Steuern für den Markgrafen
eingetrieben habe. Henning von der Gröben wird ferner als Grundherr von Bystestorff, heute Berlin-Biesdorf, erwähnt. Als die Familie 1410 (angeblich) allein 20 Mitglieder in der
Schlacht bei Tannenberg verloren hatte, verließ sie ihr Stammland Gröben und verlegte ihren Hauptsitz nach Langheim in Ostpreußen. Damit war der Weg für die jahrhundertelange
Herrschaft der Familie von Schlabrendorf, die die Entwicklung Gröbens, eine Zeit lang auch die des benachbarten Dorfes Siethen, entscheidend prägte, frei. Gröben gehört zwar mit
seiner Lage an der nördlichen Spitze des Dreiecks, das Nuthe und Nieplitz bilden, zum von Fontane so genannten Thümenschen Winkel (siehe: Stangenhagen). Doch anders als in Blankensee
und Stangenhagen, wo das Geschlecht derer von Thümen jahrhundertelang den nach ihnen genannten „Winkel“ beherrschten, übte in Gröben rund 450 Jahre lang die Familie von Schlabrendorf
die Herrschaft aus. Aufgrund des erhaltenen Kirchenbuches ist aus der Schlabrendorfschen Zeit sehr viel überliefert, so dass die Gröbener Geschichte als Beispiel einer verhältnismäßig
gut rekonstruierbaren, von Familien beherrschten und überschaubaren Dorfgeschichte dienen könnte. Neben dem machtpolitischen Vakuum, das der Wegzug der Familie von Gröben im Ort
hinterließ, wurde der schlabrendorfsche Aufstieg dadurch befördert, dass es unter den Wittelsbacher und Luxemburger Markgrafen zum Verfall der landesherrlichen Gewalt kam und dadurch
die Bedeutung der adeligen Landstände zunahm. Die Schlabrendorfs kamen laut Fontane aus der Lausitz, aus einem in der Nähe von Luckau gelegenen gleichnamigen Dorf. Historische
Schreibweisen sind auch Schlaberndorf oder Schlaberendorf. Im Jahr 1416, zwei Jahre nach dem Sieg des Hans von Torgau über die „Quitzowschen“ Raubritter auf der naheliegenden Burg
Beuthen, erhielten Conrad und Henning von Schlabrendorf Gröben mit dem benachbarten Kietz, ferner Siethen und Klein-Beuthen von Ludwig II. zum Lehen, 1550 wurde Gröben zum Rittersitz.
Die Familie stellte in den folgenden Jahrhunderten mit Johann von Schlabrendorf 1501–1520 einen Bischof von Havelberg und mit Ernst Wilhelm von Schlabrendorf (1719–1769) einen
Minister in Schlesien; sie hatte „Helden“ im Ersten Schlesischen Krieg (1740–1742) und im Siebenjährigen Krieg (1756–1763). Die Schlabrendorfs wirtschafteten nicht immer erfolgreich,
die Familie verlor ihre Besitzungen mehrfach. Folgt man Fontane, war dafür ein familiärer Wesenszug mit verantwortlich, den er am Beispiel des 1829 verstorbenen Heinrich wie folgt
beschreibt: „Graf Heinrich hatte den Schlabrendorfschen Familienzug, oder doch das, was ‚damals‘ als schlabrendorfisch galt, im Extrem. Er übertraf darin noch seinen
Sonderlings-Bruder in Paris. Im Grunde gut und hochherzig, dazu nicht ohne Wissen und Verstandesschärfe … [ging er] … immer sprungweise vor, war launenhaft und eigensinnig, und
bewegte sich sein Leben lang in Widersprüchen. Er liebte, wie das Sprichwort sagt, die Menschen und Dinge ‚bis zum Totdrücken‘ und bedauerte hinterher, ‚es nicht getan zu haben‘.“ Mit
dem Jahr 1859 endete die Familienherrschaft, als Johanna von Scharnhorst (1803–1867), geb. Gräfin von Schlabrendorf, Schwiegertochter des Generals Gerhard von Scharnhorst, den letzten
Besitz an Carl von Jagow verkaufte und lediglich das Gutshaus Gröben als Wohnsitz behielt. Fontane beschreibt insbesondere die beiden Damen Johanna von Scharnhorst – die
philanthropische Johanna hatte eine gleichnamige, früh verstorbene Tochter – sehr ausführlich und auch viele weitere Familienmitglieder erfahren in seinen Wanderungen durch die Mark
Brandenburg eine breite „Würdigung“. Trotz der Kirchenbücher und Fontanes Berichten ist über das Verhältnis der Familie zu den Bauern und Dorfbewohnern wenig überliefert. Fontane
streut nur hin und wieder kurze Notizen ein, die allerdings auch nicht mehr als eine Ahnung über die sozialen Beziehungen im Dorf vermitteln. Über Graf Leopold von Schlabrendorf
berichtet Fontane, dass er Gröben 1822 zum dritten Mal in der Familiengeschichte zurückkaufte: „Es gab nun also wieder eine wirkliche Groebener Gutsherrschaft und zwar eine, wie man
sie lange nicht im Dorfe gekannt hatte, richtiger noch, wie sie nie dagewesen war. Ordnung und Sitte waren mit dem jungen Paare gekommen, auch Beistand in Rat und Tat, und soweit es
in Menschenhände gegeben ist, dem Unglück und Unrecht zu wehren, so wurd’ ihm gewehrt.“ Aus diesen Zeilen darf geschlossen werden, dass die Schlabrendorfer Herrschaft nicht unbedingt
zu jeder Zeit ein Segen für die Dorfbevölkerung gewesen ist. „Man“ blieb in der Regel unter „sich“ und diskutierte „die Fragen über Kunst und Wissenschaft oder die speziell auch in
dem Gröbener Kreise mit Vorliebe gepflegten altpreußischen Thematas von Armee und Verwaltung, von Staat und Kirche“, so Fontane. Nur rund vierhundert Meter hinter Gröben Richtung
Nuthe folgt dieser bis 1896 selbständige Gröbener Kietz mit einer Handvoll Häusern, der noch um das Jahr 2000 auch auf dem Ortsschild als Kietz bezeichnet wurde; 2004 findet sich nur
noch die Aufschrift Gröben und allein das Straßenschild Kietz weist noch auf die Besonderheit hin, dass hier einer der wenigen so genannten „echten“ Kietze erhalten ist. Der Begriff
Kietz, inzwischen gewöhnlich als Kiez geschrieben, bezeichnet heute meist ein kuscheliges behagliches Altstadtquartier in Großstädten mit abgeschlossener urbaner Infrastruktur, zuvor
stand der Begriff mit abwertender Intention für verkommene Stadtviertel. Die ursprüngliche Bedeutung jedoch sagte aus, dass es sich um eine Dienstsiedlung handelte, die in der Regel
in der Nähe einer Burg und zumeist als Fischersiedlung an Flussübergängen lag. Diese „echten“ Kietze gibt es nur östlich der Elbe, der Begriff Kietz ist mit einiger Sicherheit
slawischen Ursprungs und leitet sich von chyza = „Hütte“, „Haus“ ab. Die jüngste Umbenennung der Kietzer Dorfstraße in Kietz erhält zwar den Namen Kietz, vernichtet aber gleichzeitig
einen anderen historischen Fingerzeig, denn noch vor kurzem hieß die Straße Gatze, was dem slawischen gat entspricht und „Damm“ bedeutet. Ob schon zu slawischen Zeiten, also bis etwa
1160, eine Siedlung bestand, ist dennoch unklar, auch wenn Fontane den Kietz als „wendisches Anhängsel“ bezeichnete. Erste Erwähnung findet ein Kietz „bey Gröben gelegen“ 1497. Er
soll unmittelbar neben einem alten Burgwall gelegen haben, von der ehemaligen Burg ist heute nichts mehr zu erkennen. Als gesichert gilt, dass sich ein Burgplatz rund 700 m westlich
von Gröben befand. Die Karte von 1683 zeigt einen von der Alten Nuthe umflossenen Burgwall. Der direkt hinter Gröben verlaufende heutige Saugraben, vorher Gröbener Fließ, wurde Ende
des 16. Jahrhunderts angelegt, um das Fließ zu regulieren. Ein lediglich vorhandener kleiner Steg reichte für Fuhrwerke nicht aus, die durch das Wasser fahren mussten, um zum Kietz zu
kommen. Erst mit der Eingemeindung nach Gröben 1896 wurde Kietz nach dem Bau einer Brücke bequem erreichbar. Weiter westlich zwischen Kietz und Nuthe befindet sich die inzwischen fast
verlandete Alte Nuthe, auf der seinerzeit Kähne fuhren. Heute erinnern mehrere typische Fischerhütten aus Lehm, Holz und Stroh sowie brüchige Kähne auf den Wiesen an die vergangene
Fischereitradition.
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