Neuhardenberg (1949–1990 Marxwalde) ist eine amtsangehörige Gemeinde
... im Bundesland Brandenburg im Landkreis Märkisch-Oderland. Die Gemeinde ist Sitz des gleichnamigen Amtes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1348 als Quilicz (später
auch Quilitz). Um 1480 befanden sich in Quilitz mindestens drei Rittergüter. Überliefert sind die Namen von Pfuel, von Schapelow und von Beerfelde. 1681 kaufte Kurfürstin Dorothea von
Brandenburg-Schwedt die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Rittergüter auf. Mit dem Tod von Markgraf Karl Albrecht fiel Quilitz 1762 an die Krone zurück. 1763 wurde Quilitz als
Königliche Dotation an Joachim Bernhard von Prittwitz, Rittmeister der Zietenschen Husaren, vergeben. Ein Großbrand zerstörte am 9. Juni 1801 mehr als den halben Ort, der deswegen nach
Plänen von Karl Friedrich Schinkel neu angelegt wurde. Zehn Jahre später, am 26. Oktober 1811, verkaufte Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitz Quilitz für 303.715 Reichstaler an die
Krone und erwarb Güter in Schlesien. Drei Jahre danach erfolgte erneut eine königliche Dotation des Ortes. Diesmal gingen die Güter Quilitz und Alt-Rosental sowie die Komturei Lietzen an
Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg (1750–1822), der dann Quilitz in Neu-Hardenberg umbenennen ließ. Während der Zeit des Nationalsozialismus trafen sich im Schloss
Neuhardenberg wiederholt Mitglieder des deutschen Widerstands gegen Hitler. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 tauchte wenige Tage später die Gestapo in
Neuhardenberg auf und verhaftete den Gutsherrn Carl-Hans Graf von Hardenberg, der sich der Verhaftung durch Selbstmord in der Bibliothek des Schlosses zunächst zu entziehen versuchte, was
ihm jedoch nicht gelang. Der Graf wurde dann in das KZ Sachsenhausen gebracht, wo er den Krieg überlebte. Von Hardenberg wurde noch von den Nationalsozialisten aufgrund seiner
Mitgliedschaft im deutschen Widerstand enteignet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort am 1. Mai 1949 auf Beschluss der Gemeindevertretung vom 19. Februar 1949 zu Ehren Karl Marx' in
Marxwalde umbenannt. Die genauen Gründe für den neuen Ortsnamen sind nicht überliefert, ein Zusammenhang mit der Ablehnung der preußischen Vergangenheit und ihrer Vertreter durch die
neuen Machthaber liegt nahe. Der Gutsherr Carl-Hans Graf von Hardenberg war 1945 durch die Bodenreform erneut enteignet worden und auf seine Besitzungen nach Niedersachsen geflohen. Noch
bis 1952 stellte die CDU den Bürgermeister. Nur 18 km entfernt liegt der Ort Marxdorf (erstmals 1244 als Marquardestorp erwähnt). Im Jahr 1952 wurde die Marxwalder LPG gegründet und
1954/55 erfolgte die Umgestaltung zum Sozialistischen Musterdorf. Die NVA zog 1957 mit einer Garnison und dem Transportfliegergeschwader 44 am Ortsrand ein. Seit 1960 war das
Jagdfliegergeschwader 8 der LSK/LV auf dem Flugplatz stationiert. Nach der politischen Wende 1989/90 wurde der Ort am 1. Januar 1991 in Neuhardenberg (ohne Bindestrich) rückbenannt. Die
damalige Gemeindevertretung unter Bürgermeister Burkhard Lier stimmte für diese erneute Umbenennung, weil „es vor allem um die Beseitigung alten Unrechts“ ging. Im Jahr 1996, nach der
Rückübertragung des Schlosses Neuhardenberg an die Familie von Hardenberg, veräußerte diese es an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Ein Jahr später begann die Restaurierung des
Schlosses und des gesamten Areals. Der Schlosspark wurde neu gestaltet und das Denkmal für Friedrich II. restauriert. Am 8. Mai 2002 erfolgte die feierliche Einweihung in Anwesenheit des
damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Seitdem wird es als Hotel gehobenen Standards und Veranstaltungsstätte betrieben. So diente das Schloss in den Jahren 2003 und 2004 als Ort für
Klausurtagungen der Bundesregierung. Ein weithin bekanntes Gebäude ist das Schloss Neuhardenberg. 1785-1790 ließ Joachim Bernhard von Prittwitz anstelle des markgräflichen Amtshauses ein
Schloss erbauen, eine eingeschossige Dreiflügelanlage mit einem hohen Mansarddach. 1820 - 1822 ließ Fürst Karl August von Hardenberg, durch Schinkel, das Schloss zu einem
zweigeschossigen, klassizistischen Landschloss umbauen, aus dem Mansarddach wurde ein Obergeschoss und eine steinerne Balustrade umgab das Dach, der Mittelrisalit wurde durch zwei Adler,
die das Hardenbergsche Familienwappen flankieren, gekrönt. 1852 wurde die Dachbalustrade wieder entfernt, da die Dachentwässerung nicht funktionierte und der Mittelrisalit erhielt einen
Dreiecksgiebel. Nach Ende des 2. Weltkrieges diente das Schloss bis 1975 als Schule. In den 1980er Jahren diente es als Bezirks-Kulturakademie, also eine Weiterbildungseinrichtung für
kulturell Interessierte. Neuhardenberg erhielt 1802–09 unter Einbeziehung der Reste der ausgebrannten barocken Dorfkirche nach einem Plan von Karl Friedrich Schinkel ein Gotteshaus im
klassizistischen Stil. Der Wriezener Baumeister Neubarth führte die Arbeiten aus. Nachdem der Staatskanzler Karl August von Hardenberg 1814 das damalige Quilitz als Schenkung erhalten
hatte, wurde Schinkel auch mit der Neugestaltung des Innenraums beauftragt. Die Einweihung der neuen Innenausstattung erfolgte 1817 anlässlich des 300. Reformationsjubiläums. Nach dem Tod
von Hardenbergs wurde 1823 an der Ostwand der Kirche ein ebenfalls von Schinkel entworfenes Mausoleum in Gestalt eines dorischen Antentempels angebaut. In dem davor liegenden Garten sind
Nachfahren des Staatskanzlers beigesetzt. Denkmal für König Friedrich II. d. Gr. im Schlossgarten: 1792 von Johann Wilhelm Meil (1733–1805) entworfen und vom italienischen Bildhauer
Giuseppe Martini aus Lucca ausgeführt; zeigt Joachim Bernhard von Prittwitz und Gaffron und dessen Gattin, die als Mars und Minerva kostümiert an der Urne Friedrichs II. trauern. Zwei
Gedenksteine von 1995 am Standort des Außenlagers Wulkow des KZ Theresienstadt zur Erinnerung an das Leiden der jüdischen Häftlinge: an der Straße zwischen Hermersdorf und Wulkow, sowie
am Ortsausgang Wulkow Richtung Neuhardenberg Karl-Marx-Büste am westlichen Ende des Dorfangers. Sie wurde am 5. Mai 1988 eingeweiht, nach der politischen Wende 1989 vom Sockel gestürzt.
1993 wurde sie auf Initiative der PDS feierlich wieder aufgestellt. In der DDR-Zeit lag der Schwerpunkt auf der Landwirtschaft. Man baute auf dem kargen Boden Gemüse und Roggen an, in der
LPG ,Pflanzenproduktion‘ arbeiteten 400 Bauern. Nach der Wende erfolgte eine Reprivatisierung der Bauernbesitzungen und einige Wenige erzeugen weiterhin Gemüse und Getreide. Ein
Baubetrieb wurde gegründet, in dem die verschiedenen Handwerker eine Arbeitsmöglichkeit bekamen. Der frühere Holzverarbeitungsbetrieb, spezialisiert auf die Großproduktion von
Gartengerätenstielen, stellt nun Fenster her. Die neuen Angebote richten sich an Touristen, die die Landschaft genießen oder das Schloss besichtigen wollen. Im Ort gibt es im 21.
Jahrhundert eine Entenzucht- und Mastanlage. Bei Neuhardenberg liegt der Flugplatz Neuhardenberg, der weiterhin genutzt wird. 2012 entstand auf dem Flugplatz und der ehemaligen Kaserne in
nur fünfwöchiger Bauzeit auf 240 ha der größte Solarpark Deutschlands mit 145 MW Leistung. Bis zum Jahr 2001 gab es im heutigen Ortsteil zwei Schulen, die Marchlewski-Schule am Schloss,
die 2001 abgerissen wurde, und die Friedrich-Engels-Schule (seit 2006 Grundschule am Windmühlenberg), die nun alle Grundschüler des Amtes Neuhardenberg aufnimmt. Auf der Fläche der
früheren Schule entstand ein Hubschrauberlandeplatz für die Gäste des Schloss-Hotels. Als regelmäßige Veranstaltung hat sich seit 2002 die Neuhardenberg-Nacht etabliert, die von mehreren
Tausend Personen besucht wird. Außerdem treffen sich Luftfahrtinteressierte zu Flugschauen auf dem Flugplatz. Dazu gesellte sich im Jahr 2004 ein ausgemustertes Militärflugzeug (MiG-21).
Im November 2010 kam noch ein Hubschrauber vom Typ Mi-8T hinzu, der jedoch auf Grund von Restaurierungsmaßnahmen noch nicht ausgestellt wird.
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