Hirschfelde ist ein Ortsteil der Stadt Werneuchen
Die Stadt gehört zum Landkreis Barnim im Bundesland Brandenburg. Bis zum 25. Oktober 2003 war Hirschfelde eine selbstständige Gemeinde innerhalb des Amtes Werneuchen. Im Werneuchener
Ortsteil Hirschfelde leben auf 17 km² 311 Einwohner (Stand: 2004), das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 18,3 Einwohnern je km². Hirschfelde befindet sich im Regionalpark
Barnimer Feldmark an der Grenze des Landkreises Barnim zum Landkreis Märkisch-Oderland. Es liegt zwischen den Orten Werneuchen und Tiefensee im Norden und Gielsdorf im Süden an einer
Landstraße, die die Bundesstraße 158 mit Strausberg verbindet. Die Landschaft um Hirschfelde ist von den Eigenschaften der eiszeitlichen Grundmoräne Barnim geprägt. Die ebene, leicht
gewellte Landschaft erstreckt sich in Richtung Norden und Westen. Ursprung des Namens: Ob die Tierfamilie der Hirsche für den Ortsnamen Pate stand, ist umstritten. Als Ursprung des
Namens „Hirschfelde“ wird manchmal auch „Heeresfelde“ genannt. Hirschfelde liegt an einer früheren Heerstraße, auf der später auch Napoléon Bonaparte gegen Russland zog. Eine
allgemeingültige Antwort gibt es jedoch nicht, geht der Name doch weiter zurück als die Napoleonischen Kriege. Zwischen 1317 und 1332 wird ein Johannes von Hersfeld (aus Hersfelde)
als Propst des Benediktinerinnenklosters Spandau genannt. Das märkisches Angerdorf Hirschfelde wurde im Jahr 1268 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zunächst etwa 100 Jahre zum
Besitz des Klosters Zinna. Seit 1450 war das Dorf im Besitz der Lokatorenfamilie der Ritter von Krummensee. Später wechselt es häufiger die Besitzer. 1586 wird Hirschfelde Rittergut
und gelangt 1753 in den Besitz des preußischen Justizministers Levin-Friedrich von Bismarck, der es bei seinem Tod 1774 an seinen Sohn August Wilhelm von Bismarck vererbte. Eine
kulturelle Blütezeit erlangte Hirschfelde Anfang des 20. Jahrhunderts durch den damaligen Besitzer des Rittergutes, den Berliner Unternehmer und Mäzen Eduard Arnhold. Dieser erwarb
das Gut 1904, ließ anschließend das Gutshaus durch den Architekten Paul Baumgarten umbauen und den Park als Skulpturenpark neu anlegen. 1907 stiftete er das Johannaheim in Werftpfuhl
als Waisenheim für junge Mädchen. Bekannteste Schülerin der Waisenschule war die Schauspielerin Brigitte Helm, die Regisseur Fritz Lang bei einer Privataufführung von Shakespeares
Sommernachtstraum auf der Naturbühne in Arnholds Gutspark in Hirschfelde entdeckte und der er in seinem Film Metropolis die Hauptrolle gab. Heute ist im Johannaheim die
Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein untergebracht. Die Bronzestatue eines Hirschs, geschaffen von dem Berliner Bildhauer Louis Tuaillon, erinnert auf dem Dorfanger mit den Pfuhlen
noch an diese Zeit und den Kunstförderer Arnhold. Die Reste des Parks stehen heute unter Denkmalschutz. Arnhold starb 1925. Das Gut verblieb zunächst im Besitz der Familie, die nach
der NS-Machtübernahme 1933 fliehen musste. Nun gelangte das Gut in den Besitz des Opernsängers Carl Clewing, der es bis 1945 besaß. Nach 1945 wurde das gesamte Gut im Zuge der
Bodenreform aufgesiedelt. Die Gutsgebäude wurde teilweise Volkseigentum mit unterschiedlichen Rechtsträgern. So wurde im Gutshaus ein Kindergarten, der Hort, die Kinderkrippe,
Wohnungen und die Gemeindeschwester untergebracht. In den 1990er-Jahren wurde das Gutshaus und andere Gutsflächen privatisiert. Im Gutshaus und in den benachbarten Stallanlagen wird
heute eine Pferdezucht betrieben. Bewohnt und teilweise für die Landwirtschaft genutzt werden auch weitere der denkmalgeschützten Gebäude des historischen Gutsbezirks, wie etwa das
ehemalige Verwalterhaus, die Brennerei und einzelne ehemalige Pächterhöfe im Dorf. Der markante und weithin sichtbare Wasserturm ist seit Jahren in privatem Besitz und in Umbau. Die
Ackerflächen rund um das Dorf werden zunehmend wieder von Ortsansässigen bewirtschaftet. Die ebenfalls denkmalgeschützte mittelalterliche märkische Dorfkirche (Chorquadratkirche mit
Turm) aus dem 13. Jahrhundert gehört zum Pfarrsprengel Gielsdorf und weist noch schwere Nachkriegsschäden auf, als die Gemeinde die Dachbedeckung mangels neuen Baumaterials selbst
abdeckte. Berichte sagen, die Kirche habe zuvor kaum Schäden aus dem Krieg davongetragen. Ein örtlicher Förderverein ist bemüht, das Kirchenschiff des Feldsteinbaus mit Spendenmitteln
neu einzudecken. Der Mittelpunkt Hirschfeldes ist seit altersher der Gutshof. Das Gutshaus selbst wurde von den verschiedenen Besitzern immer wieder erweitert, verändert und
modernisiert. Dank Eduard Arnhold gab es auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts Strom und Zentralheizung, ein Wasserturm versorgte den Ort mit Wasser. Zum Rittergut gehörten auch
weitere Gebäude. Vorhanden war zum Beispiel ein benachbarter Wirtschaftshof, ein Pferdestall und die Remise für die Kutschen und Kutschpferde, eine eigene Schnapsbrennerei, das
Verwalterhaus und ein Kindergarten neben der Kirche. Im Ort befanden sich mehrere kleine Höfe, die sich im Besitz von Kleinbauern befunden haben dürften. Gebaut wurden die Gebäude
ganz im Stil der Region: aus roten Ziegelsteinen, die Grundmauern teilweise auch aus behauenen Feldsteinen. Eine Feldsteinmauer umrahmte den Park. Später wurde der Park vergrößert und
zu diesem Zweck eine zweite Feldsteinmauer errichtet. Beide sind inzwischen jedoch fast vollständig zerfallen. Angeblich wurden ihre Steine nach 1945 dazu benutzt, neue Wohnhäuser im
Ort zu errichten. Der Park ist maßgeblich dem Kunstmäzen Eduard Arnhold zu verdanken. Heute lässt sich seine frühere Pracht nur noch erahnen. Ein altes Amphitheater hat sich die
Vegetation inzwischen zurückerobert, die Parkmauern sind bis auf einen Rest an der alten Försterei in der Akazienallee zerfallen. Anfang des 20. Jahrhunderts schmückte ein
Springbrunnen die Achse der Kastanienallee mit Blick auf eine Skulptur an einem der Seitenflügel des Gutshauses. Der kostbare Brunnen war ein Ausgrabungsstück aus Herkulaneum am
Vesuv, heute wächst Gras im Sandsteinbecken und es fehlt das kostbare Geländer aus weißem Marmor – und das Wasser. Viele der Skulpturen, die Arnhold sammelte, um mit ihnen den Park zu
schmücken, sind entweder unauffindbar oder zerstört, teilweise befinden sie sich seit Jahren im Besitz fremder Gemeinden – die Frage des Eigentums ist oft nicht zu klären. So befindet
sich ein ebenfalls von Tuaillon geschaffener Stier aus weißem Carrara-Marmor im Kurpark von Bad Freienwalde. Einzig das Hirschstandbild, das, an neuer Stelle, heute das Dorfzentrum
ziert, ist noch in Hirschfelde selbst vorhanden. Ursprünglich stand es mittig vor dem Gutshaus. Die sowjetischen Streitkräfte nahmen den Hirsch 1945 nach Kriegsende mit, als das Dorf
Hirschfelde verlassen war (die Einwohner waren unmittelbar vor dem sowjetischen Einmarsch evakuiert worden) und stellten ihn auf dem Kasernengelände vor dem Offizierskasino vom
Militär-Flugplatz Werneuchen auf. Nach der Deutschen Wiedervereinigung gab die Stadt Werneuchen das Standbild an Hirschfelde zurück. Der Hirsch steht seither am Pfuhl in der
Dorfmitte. Im Jahr 2010 befürwortete die Stadtverordnetenversammlung von Werneuchen einstimmig die Initiative des 2006 gegründeten Vereins Alternativen für Zukunft e. V. für ein
„Modelldorf Hirschfelde“. Auf Grundlage des 2007 konzipierten Projektes des Vereins unter der Leitung von Sonja Moor möchte der Verein AfZ nach eigenen Worten „gemeinsam in einer
arschlochfreien Zone (afz) Werte schaffen.“ Insbesondere gemeint sei damit die Nutzung ortsnah produzierter Produkte aus ökologischer Landwirtschaft.[6] Die Initiative wird von einem
Teil der Bevölkerung unterstützt, stößt aber bei einem anderen Teil auch auf Kritik. Am 12. März 2011 öffnete im Rahmen des Projekts in der ehemaligen Konsum-Verkaufsstelle des Ortes
ein genossenschaftlich geführter „Tante-Emma-Laden“, der auch als „Tratschplätzchen, Kleinkredit-Bank und Kulturcafé“ dienen soll. An der Umsetzung des Projekts „Modelldorf
Hirschfelde“ will sich auch der Verein Slow Food beteiligen, der im Ort einen Stützpunkt unterhält.
Dieser Text basiert auf dem freien Enzyklopädie Wikipedia-Artikel über diesen Ort. Hirschfelde